Kiosk Kreuzstutz – Kompass für mehr Lebensqualität

Kiosk Kreuzstutz Luzern

Kiosk Kreuzstutz Luzern

Kiosk Kreuzstutz Luzern

Kompass Kioskbetreiber Darko Urosevic. Bild Joseph Birrer

Gehört die Zustandsbeschreibung eines eher unwichtigen, lokalen Luzerner Quartiers mit all seinen Sorgen und Nöten tatsächlich in die Rubrik «Lifestyle»? Diese Frage kann eindeutig nur mit einem Ja beantwortet werden. Es kommt nur auf den Blickwinkel an. Lifestyle beschränkt sich nicht auf die Promotion teurer Luxusartikel, sondern auch und vor allem auf die Lebensfreude und die damit verbundene Lebensqualität von ganz normalen Quartierbewohnern und Quartierbewohnerinnen.

Eine Institution geht die Reuss runter

Über viele Jahrzehnte hinweg war der Kiosk Kreuzstutz im so genannten Babel-Quartier eine feste Institution. Ein Stück Lebensqualität. Geborgenheit. Sieben Tage in der Woche geöffnet von frühmorgens bis spät in den Abend hinein. Keine Milch mehr im Kühlschrank? Zigaretten plötzlich alle aufgeraucht und kein Nachschub vorhanden? Kein Problem. Dem Kiosk sei Dank. Nach der Schliessung der Post am Kreuzstutz wurden dem Kiosk auch die Aufgaben einer Postagentur übertragen. Eine Win-win-Situation sowohl für die Kioskbetreiberin wie auch für die Menschen aus dem Quartier.

Doch Knall auf Fall war der Kiosk eines Tages plötzlich infolge Konkurs geschlossen. Ein herber Schlag. Vor allem für ältere Leute, die ihre Postgeschäfte mehr oder weniger in die Postagentur Kreuzstutz verlagert hatten. Aber auch für junge Berufstätige, die am Abend nach der Arbeit noch schnell Ihr Paket oder den eingeschriebenen Brief dort bequem abholen konnten.

Die Rettung

Doch wie Hölderlin treffend sagte «wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch», erlebte der Kiosk am Kreuzstutz unerwartet eine Auferstehung wie Phönix aus der Asche. «Neueröffnung Kiosk Kompass am Kreuzstutz» war plötzlich in grossen Lettern auf Plakaten zu lesen, die gut sichtbar an der hölzernen Aussenwand prangten. Bis tief in die Nacht hinein sah man hinter der Glastür Leute emsig arbeiten. Man spürte förmlich, dass sich da was tut.

Und in der Tat war der «Wow»-Effekt am Eröffnungstag des neuen Kiosk Kompass gross. Blitzblanke Sauberkeit und klar strukturierte und logisch geordnete Warengestelle erwarteten die Kundinnen und Kunden, freundlich begrüsst vom neuen Inhaber Darko Urosevic, einem jungen Urgestein aus dem Quartier. Im Sankt-Karli-Schulhaus auf der anderen Seite der Reuss hat er die Primarschule besucht. «Der Kiosk gehört irgendwie zu meiner Kindheit und meiner Jugend», sagt er lachend. Zuerst habe er hier jeweils nach der Schule Süssigkeiten gekauft. Später waren es dann Panini-Bildchen und Zigaretten.

Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern an der Dammstrasse, ganz in der Nähe. «Ich komme jeden Tag hier vorbei. Es hat mir das Herz gebrochen, als der Kiosk nach 50 Jahren geschlossen wurde», so Urosevic. Er habe gespürt, dass er etwas unternehmen müsse, damit dies nicht so bleibt. Letztlich hat er sich gegen rund 30 Mitbewerber durchgesetzt. Das Grundstück gehört den SBB, denen er Miete zahlen muss, erzählte er dem Luzerner Internetportal Zentralplus. «Die ersten drei Monate war es ein Knochenjob. Ich musste viel Zeit und Ressourcen investieren, um überhaupt starten zu können», blickt Urosevic zurück. «Die Margen seien enorm klein und lägen im Rappenbereich. «Ich habe keinen Artikel, an dem ich mindestens einen Franken verdiene», sagt er. Trotzdem schreibe er seit kurzem aber schwarze Zahlen.

«So wie es im Moment läuft, mache ich den Kiosk sicher nicht mehr zu», zeigt er sich zuversichtlich. Auch wenn er das eine oder andere Mal am Erfolg gezweifelt habe. Der Kiosk sei sein «Baby», sagt Urosevic immer wieder.

Service Public

Auch um die Weiterführung der Postagentur habe er sich ursprünglich bemüht. Da er sich mit der Post aber nicht einig wurde, liess er es schliesslich bleiben. Man kann es ihm nicht verübeln, auch wenn es viele Leute schmerzt. Immerhin hat er dem Quartier den Kiosk gerettet. Und wer weiss, vielleicht ist der postalische Service Public den Politikern (die Post ist ja schliesslich ein Staatsbetrieb) eines Tages auch für die Leute vom Babel-Quartier etwas mehr Aufmerksamkeit wert.

Ein kluger Kopf voller Ideen

Darko Urosevic ist ein ebenso witziger wie intelligenter Gesprächspartner. Aber auch durch und durch Unternehmer. Einer, der anpackt. Einer, der nicht nur spricht, sondern auch handelt. „Don’t speak. Do it!“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Geboren in der Schweiz und hier aufgewachsen, stellt er, dessen Wurzeln mit Serbien verknüpft sind, ein Paradebeispiel für gelungene Migration dar. Noch nicht saturiert wie viele Junge in seinem Alter, die bequem auf das Erbe der Grossmutter oder Tante warten können, nimmt er sein berufliches Schicksal selbst in die Hand. Nachdem er die Kanti abgebrochen hatte, absolvierte er mit knapp 30 ein Zulassungsstudium und studiert seither an der HSL Elektroingenieur. Weil das Einkommen als Familienvater nicht ausreichte, arbeitete er nebenbei als Taxifahrer. Aus diesem Nebenverdienst wurde nicht nur Leidenschaft, sondern auch Berufung. Er gründete die «Kompass Transporte GmbH», die momentan sein unternehmerisches Flaggschiff darstellt.

Der Mann sprudelt nur so von Ideen und wir dürfen sicher sein, dass er mit seinem Kiosk Kompass am Kreuzstutz dem ganzen Quartier zusätzliches Leben einhauchen wird. Die Lebensqualität im Babel-Quartier hat mit ihm nicht nur einen Fürsprecher, sondern auch einen Ideenlieferanten. So plant Darko am 30. Mai bereits die nächste Überraschung, die speziell für die Quartierkinder ein unvergessliches Erlebnis werden wird. Wir bleiben dran.

Mehr Infos über den Kompass Kiosk am Kreuzstutz via Facebook

Quelle: LUZART Medien

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