«Glencore-Leck» – Neues Datenleck «Paradise Papers»

Nach den «Panama Papers» bringt ein neues Datenleck zu Steuertricks weltweit Politiker, Prominente und Konzerne unter Druck.

Nach Angaben des internationalen Journalistennetzwerks (ICIJ) geht es um Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur. Das neue riesige Datenleck wurde von den Autoren «Paradise Papers» getauft.

Insgesamt gehe es um 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen, heisst es. In diesen tauchten die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auf, dazu Unternehmer, Sportler und Unternehmer. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es Informationen.

In den Fokus rücken die Journalisten zum Beispiel US-Handelsminister Wilbur Ross. «Wir haben in den Daten zum Beispiel gesehen, dass Ross ein Geflecht von Offshore-Firmen in der Karibik betreibt. Dahinter steht eine Firma, die mit der Entourage des russischen Präsidenten Wladimir Putin handelt», sagt Oliver Zihlmann, Journalist des «Tages-Anzeigers».

Zihlmann ist einer der 381 Journalisten, die an dem riesigen Datenberg gearbeitet haben – unter grösster Geheimhaltung, und ohne zu wissen, ob all die Mühe auch wirklich Berichtenswertes zu Tage fördern würde.

Auch mindestens drei Rohstoff-Firmen mit Sitz in der Schweiz sind von den Enthüllungen betroffen. Unter anderem Glencore mit ihrer Kupfermine Katanga im Kongo. Die neuen Dokumente zeigen detailliert, mit welchen Mitteln die Firma 2008 den Preis für Schürflizenzen tief halten konnte.

«Glencore-Leck»

Das Datenleck sei vor allem auch ein «Glencore-Leck», sagt Zihlmann: «Wir sehen, dass grosse Schweizer Rohstoff-Konzerne über Offshore-Firmen ihre Geschäfte abwickeln, auch mit Afrika und auch mit Ländern, die geplagt sind von Korruption.» Das habe man im Fall von Glencore gesehen.

Wer diese Daten von der Anwaltskanzlei Appleby gehackt hat, ist nicht bekannt. «Man sieht, dass es grundsätzlich immer mehr Lecks gibt. Nicht nur im Bereich der Finanzen. Auch im Fall von Hillary Clinton, bei Wikileaks oder bei anderen Dingen», sagt Zihlmann. Entscheidend sei in solchen Fällen nicht primär das Interesse desjenigen, der die Daten liefert, sondern ob die Informationen von öffentlichem Interesse seien.

Die «Paradise-Papers» liefern neues Material für die Diskussion über Korruption und Steuervermeidung. Die Frage, ob es internationale griffigere Regeln braucht, und mehr Transparenz bei Offshore-Konstrukten, wird zweifellos erneut aufflammen.

Quelle: SRF

6.11.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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