Allmend-Hochhäuser: Radar soll Vögel vor Todesfallen schützen

Hochhäuser Allmend Luzern

Hochhäuser Allmend Luzern

Bild ZVG Hoch-Zwei

Immer wieder fliegen Vögel in die beiden Allmend-Hochhäuser und sterben. Bei der Vogelwarte Sempach hofft man nun auf ein neues Radar-Frühwarnsystem.

«Zuerst dachte ich, dass eine Katze daran schuld sei», berichtet ein Leser-Reporter, nachdem er auf der Luzerner Allmend einen toten Vogel gefunden hatte. «Als ich dann aber den zweiten toten Vogel keine 30 Minuten später vier Meter nebenan liegen gesehen habe, dachte ich mir, dass da etwas nicht stimmt.»

Die Hochhäuser auf der Luzerner Allmend liegen direkt am Alpenrand. «Dort ist mit einem hohem Zugvogelaufkommen zu rechnen», erklärt Hans Schmid von der Vogelwarte Sempach. Als die Hochhäuser 2011 gebaut wurden, gab es von der Vogelwarte deshalb permanente Kontrollen. «Wir konnten zum Glück nicht feststellen, dass es zu regelmässigen Kollisionen gekommen wäre», weshalb Schmid vom jüngsten Vogeltod überrascht ist.

Intelligentes Betriebssystem zum Schutz der Vögel

Jährlich verenden gemäss dem Architektur-­Magazin «Hochparterre» schweizweit mehrere Millionen Vögel bei Zusammenstössen mit Glasflächen. Seit einigen Jahren arbeitet die Vogelwarte deshalb zusammen mit einem Team an einem neuartigen Alarmsystem.

Beabsichtigt ist dabei, dass in hohen Gebäuden Fensterscheiben durch ein «intelligentes Betriebssystem» automatisch mit Storen abgedunkelt werden, wenn Vögel gefährlich tief fliegen. «Das Gebäude wird dadurch schwarz und sieht nicht mehr wie ein Leuchtturm aus.» Vor allem im Nebel können Vögel schnell die Orientierung verlieren. «Die Zugvögel lassen sich vom Licht wie Insekten anziehen und prallen dann gegen die Fassade», sagt Schmid.

Eigentlich hatte man Hoffnung, dass das System bereits 2014 eingeführt hätte werden können. Daraus wurde nichts: «Es war sehr schwierig, an die ganzen Wetterradardaten aus ganz Europa zu kommen. Es ist eine komplexe Sache, denn die ganzen Meteo-Daten müssen in Verbindung gebracht und ausgewertet werden. Zudem sind die Radaranlagen in verschiedenen Ländern unterschiedlich.» In zwei bis drei Jahren soll es dann so weit sein: «Ich kann aber keine Garantie geben», so Schmid.

Keine Vogelfolien, sondern Kontrast durch weisse Streifen

Dennoch kann jetzt schon etwas für den Vogelschutz getan werden: Bereits bei der Planung von Gebäuden kann darauf geachtet werden, dass Scheiben mit weniger Spiegelung verwendet werden. «Wir beraten Bauherren und Architekten kostenlos und waren auch an der Entwicklung spezieller Fensterscheiben beteiligt», sagt Schmid.

In der Sporthalle Sursee gibt es diese Scheiben bereits. Mit Erfolg: Es gibt bis zu 90 Prozent weniger Vogelaufprall. Die speziellen Fensterscheiben namens «Silverstar Birdprotect» wurden von Glas Trösch produziert. «Jedes Fenster hat ein Muster mit einer speziellen Farbe. Dies erhöht die Wahrnehmung des Glases bei den Vögeln», sagt Fabrice Nussbaumer vom Marketing Glas Trösch. Es bricht die Reflexion, so dass die Vögel nicht dazu verleitet werden, hindurchfliegen zu wollen.

Von Aufkleber in Vogelform «sehen wir seit bereits 25 Jahren ab», sagt der Vogelwarte Schmidt und erklärt, dass diese Kleber nicht nur unästhetisch seien, sondern auch kaum eine Wirkung haben. «Für einen guten Schutz braucht es einen Kontrast. Feine weisse Streifen können den schaffen.»

Quelle: 20Minuten

2.9.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde