Blocher kauft «Luzerner Rundschau»

Luzerner Rundschau

Luzerner Rundschau

Screenshot Luzerner Rundschau

25 Gratisblätter, darunter die «Luzerner Rundschau», auf einen Schlag: Ein cleverer Schachzug, sagt Experte Otfried Jarren, aber problematisch. Die Ostschweizer Verleger-Familie Zehnder hat ihren Wochenzeitungsverlag an die «Basler Zeitung» (BaZ) verkauft.

Durch den Deal kommt die BaZ, an der auch Christoph Blocher beteiligt ist, in den Besitz von 25 Gratistiteln in 16 Regionen – rückwirkend auf Anfang dieses Jahres. Die Auflage beträgt insgesamt 720'756 Exemplare. Die vom Deal betroffenen 189 Zehnder-Mitarbeitenden werden von der BaZ übernommen.

Mit dem Verkauf an die BaZ-Holding löst die Besitzerfamilie Zehnder die Nachfolgefrage, da sich familienintern keine andere Lösung gefunden hat. Zurzeit verdiene man zwar noch gutes Geld, erzählt Mitbesitzer Andreas Zehnder.

Zu wenig Kraft, um mitzuhalten

Zehnder geht allerdings davon aus, dass es in 20 Jahren nur noch zwei, höchstens drei Printmedien-Verlagshäuser mit überregionaler Bedeutung in der Deutschschweiz geben wird.

«Da haben wir zugegebenermassen, aus eigener Kraft nicht die Chance dazuzugehören.» Zudem fehle der Verleger-Familie die finanzielle Kraft, um die ganze Deutschschweiz abzudecken und in die Digitalisierung zu investieren.

«Blocher ist ein idealer Käufer»

Andreas Zehnder, Mitbesitzer des Zehnder-Verlags

Deshalb sei der SVP-Politiker Christoph Blocher für den Verlag ein Glücksfall: «Blocher ist ein idealer Käufer, einerseits wegen seiner finanziellen Basis, andererseits wegen seines unternehmerischen Weitblicks.»

Der SVP-Politiker gibt bereits die BaZ heraus. Was bedeutet nun die Ausweitung seines Medienimperiums für die Schweizer Medienlandschaft?

Publizistikprofessor Otfried Jarren bezeichnet Blochers Schachzug als clever. Der Zehnder-Verlag gibt heute beispielsweise in St. Gallen, Aarau, Kreuzlingen, Luzern oder auch Zug Gratisblätter heraus, und das sei nicht im Niemandsland, wie Jarren betont.«Es ist also nicht nichts, was ins Portfolio von Herrn Blocher kommt, sondern es sind Städte, die auch politisch von Bedeutung sind.»

«Ins Portfolio von Herrn Blocher kommen nun Städte, die auch politisch von Bedeutung sind.»

Otfried Jarren, Professor am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich

Zudem kaufe sich der SVP-Stratege in ein rentables Geschäft ein, so Jarren weiter. Es sei ein starker Markt. «Man hat dort noch relativ hohe Reichweiten und gute Werbeerlöse. Die Bedingungen sind stabil.»

Die zunehmende Konzentration im Medienmarkt der Deutschschweiz bezeichnet Jarren allerdings als problematisch.

Hintergedanke lokales Online-Geschäft?

Rolf Bollmann wird den Zehnder-Verlag mit seinen über 150 Mitarbeitern nun neu führen. Als Sanierer der BaZ und Gründer der Gratiszeitung «20 Minuten» bringt er das nötige Rüstzeug mit. Jarren hält Bollmann noch aus einem anderen Grund für den geeigneten Mann: «Er weiss auch, was es heisst, ein Internet aufzubauen.»

Blocher habe nun die Chance, aus den Print-Publikationen ein lokales digitales Geschäft aufzubauen, glaubt Jarren.

Quelle: SRF

17.8.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde