Bürgenstock Hotels Preis für (a)soziale Verantwortung?

Schweiz aktuell über Betreibungen im Luxus-Resort Bürgenstock

So stand's kürzlich geschrieben in vielen Zeitungen, vor allem in der Zentralschweiz, und auf etlichen Online-Portalen: «Grosse Ehre für das Bürgenstock-Resort: Seine Nachhaltigkeitsbemühungen in den Bereichen Umwelt- und Denkmalschutz sowie sozialer Verantwortung haben die Aufmerksamkeit der European Hotel Managers Association (EHMA), dem Verband der europäischen Hoteldirektoren, auf sich gezogen. Die neue Hotelanlage auf dem Bürgenstock am Vierwaldstättersee hat den Sustainability Award für das Jahr 2018 erhalten.»

Unkommentiert wurde dieser von einer PR-Agentur kostenlos gestreute PR-Artikel von vielen News- und Gastro-Portalen sowie etlichen Schweizer Tageszeitungen kritiklos veröffentlicht. Logischerweise mit der inzwischen üblichen Chuzpe ohne jede Quellenangabe, so dass bei unbedarften Leserinnen und Lesern unweigerlich das Gefühl entsteht, der unsägliche Promo-Artikel stamme aus der eigenen Redaktion. Manus Manum lavat. Eine Hand wäscht die andere, wie wir Lateiner zu sagen pflegen. Einerseits wird den Redaktionen kostenloses Füllmaterial geliefert und andererseits winkt so manchem, der ein Belegsexemplar an das gelobte Hotel schickt, irgendwann eine Gratis-Übernachtung mit Seeblick in der De-Luxe-Junior-Suite. Und wenn schon nicht Junior-Suite mit Seeblick, dann zumindest ein üppiges Sieben-Gang-Essen vom «GO-MIO»-Sterne-Koch. Dass da immer mehr Menschen die Medien mit Fake News-Parolen («Lügenpresse») zu Recht oder zu Unrecht überziehen, ist mehr als nur verständlich.

Ausgerechnet das Bürgenstock-Resort erhält den «Sustainability»-Award für soziale Verantwortung. Jedem Medium, das diesen Promoartikel vom Verband der europäischen Hoteldirektoren (EHMA) veröffentlichte, hätte eigentlich klar sein müssen, dass einige Wochen zuvor die ersten Meldungen über etliche Handwerker-Betreibungen in der Höhe von insgesamt knapp vier Millionen Schweizer Franken gegen das Nidwaldner Luxusresort öffentlich gemacht worden sind. Und wenn sie es nicht wussten, hätte ein einziger Klick auf die Google-Suchmaschine Klarheit verschafft, dass da üble Nachrichten über das famose Luxusresort im Busch schlummern. Sowas ist heutzutage im Journalismus eine Pflicht. Oder sollte es zumindest sein.

Am 23.3.2018 widmete sich das Schweizer Fernsehen ausführlich dem Thema in der Sendung «Schweiz aktuell». Auf dem News-Portal von SRF war zu lesen:

Für 550 Millionen Franken haben Investoren aus Katar auf dem Bürgenstock ein Luxus-Hoteldorf gebaut. Jetzt zeigt sich die Schattenseite des Grossprojektes: Mehrere Handwerkerfirmen, die auf dem Bürgenstock gearbeitet haben, wurden noch nicht bezahlt und betreiben nun das Resort.

«Keine einzige Rechnung wurde pünktlich bezahlt. Das gibt eine Unzufriedenheit und Wut im Bauch.» Beat Gerig ist enttäuscht. Der Malermeister aus Stans durfte während zwei Jahren auf dem Bürgenstock arbeiten – Malerarbeiten im Spa, bei den Tennisplätzen und im Curlingcenter ausführen. «Wir waren sehr stolz, dass unsere Firma auserwählt wurde, um auf dem Bürgenstock zu arbeiten. Wir waren mit viel Einsatz und Herzblut dabei.»

Eine Freude, die nun getrübt ist. «Es gab schon in der Bauphase Schwierigkeiten: Viele Änderungswünsche, Unterbrüche, Terminverschiebungen.» Und für ihn das Ärgerlichste: Bis heute schulde ihm das Resort einen fünfstelligen Betrag. An der Qualität könne es nicht liegen: «Bei den Abnahmeprotokollen war immer alles gut: Keine Mängel.»

«Das gehört im Baugewerbe dazu»

Für Resort-Manager Bruno H. Schöpfer gehört das zum Geschäft. «Wir haben auf dem Bürgenstock 550 Millionen Franken verbaut. Ein Grossteil der Aufträge ging an regionale Firmen. Dass man bei einem so hohen Auftragsvolumen auch Probleme habe, ist im Baugewerbe normal.»

Zum Fall von Beat Gerig meint Schöpfer: «Es kann natürlich sein, dass auch bei uns Fehler passieren, das schliesse ich nicht aus.» Bei kleinen Firmen sei oft auch die Ausstellung der Rechnungen mangelhaft. «Wegen der Mehrwertsteuer ist das sehr kompliziert geworden, dann müssen wir die Rechnungen halt zurückweisen.»

Betreibungen von vier Millionen

Auch wenn im Baugewerbe mit harten Bandagen gekämpft wird, sind es doch hohe Beträge, die noch ausstehend sind. Für den Zentralschweizer Baumeisterverband ist das Zurückbehalten solcher Summen nicht üblich, wie Präsident Kurt Zurfluh sagt. Zwar kenne er die Verträge nicht – «an der Tagesordnung ist dies aber nicht».

«Schweiz aktuell» liegt ein Betreibungsregister-Auszug vor, der zudem zeigt, dass Malermeister Beat Gerig nicht allein ist. Fast 50 Firmen warten auf ihr Geld. Insgesamt sind Betreibungen in der Höhe von rund vier Millionen Franken vorhanden.

Gemäss Bruno H. Schöpfer wird dieses Geld zurückbehalten, da die Arbeiten Mängel aufwiesen. «Jeder Einfamilienhausbesitzer weiss, dass nicht immer das geliefert wird, was man bestellt hat. Dann wird die Rechnung erst bezahlt, wenn die Mängel behoben sind.» Quelle: SRF

Bruno H. Schöpfer

Dass man bei einem so hohen Auftragsvolumen auch Probleme hat, ist im Baugewerbe normal.

Bruno H. Schöpfer, Bürgenstock-Resort-Manager

Inzest-Veranstaltungen & Award-Inflation

Man darf sich aber auch fragen, nach welch hehren Kriterien solche Preise vergeben werden. Auch der ehrwürdigen Jury der European Hotel Managers Association hätte auffallen müssen, dass die als lobenswertes Kriterium beispielsweise erwähnten 18'000 LKW-Fahrten, die dank Weiterverwendung des Aushubmaterials weiterverwendet werden konnten, mitnichten ein Grund für eine Auszeichnung sein können. Das ist unter Berücksichtigung der heutigen Gesetzeslage nicht mehr als Pflicht und jeder Dritt-Jahres-Lehrling aus der Tiefbaubranche hätte das den Herren erklären können.

Dass aber dem Bürgenstock Resort einer dieser inflationären Awards ausgerechnet für «soziale Verantwortung» verliehen wird, wirkt vermutlich auf die Handwerker, die gegen das übermächtige und in der Nidwaldner Politik bestens vernetzte Luxushotel auf Bezahlung ihrer Rechnung mit Betreibungen klagen müssen, wie ein Hohn. Und die ebenso widerwärtige wie uneinsichtige – um nicht zu sagen dämliche – Aussage von Hotel-Direktor Bruno H. Schöpfer, dass dies halt in der Baubranche normal sei, ist ein weiterer Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Wer solch abstruse Verteidigungsparolen von sich gibt, dürfte eigentlich nicht ein Hotel dieser Grösse leiten. Ganz zu schweigen davon, dass Herr Schöpfer eine ganze Branche mit seiner Verleumdung verunglimpft und unter Kardinalverdacht stellt.

Was lernen wir daraus? Die meisten Awards, speziell in der Hotellerie und Gastronomie, über die tagtäglich berichtet wird, sind weder Papier noch Space wert, auf dem sie veröffentlicht werden. Eine kleine Clique von medial bestens vernetzten Fogalstrümpfen, meistens «Jury» genannt, in der jeder jeden kennt, führt nach obskuren Regeln und Kriterien eine Inzest-Preisverleihung im Krähennest durch. Bekannterweise hackt eine Krähe der andern niemals ein Auge aus. Gründe für diesen oder jenen Award sind schnell gefunden; Hauptsache, man bringt die Preisgekrönten positiv ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung.

Anzunehmen, dass die Jury vom unkonventionellen Bezahlsystem der Handwerkerrechnungen im Falle des Bürgenstock-Resorts keine Ahnung hatte, liesse im Umkehrschluss darauf schliessen, dass die Jury absolut unfähig war. Auch Unwissen schützt vor Strafe nicht, wie wir Juristen zu sagen pflegen. Der Gedanke, einem in die Schusslinie negativer Schlagzeilen geratenen Kollegen mit positiven Schlagzeilen und willfährigen Medien schnell mal ein bisschen unter die Arme zu greifen, scheint wahrscheinlicher. Wie dem auch sei: Kein Schelm, wer Böses denkt.

25.3.2018

Frohe Ostern