Deal zwischen VBL und TCS stört Politiker

Der TCS setzt sich für den individuellen Verkehr ein, die VBL tut dies für den öffentlichen Verkehr. Und nun spannten die beiden zusammen. Das sorgt für Kritik.

Kunden, die bei den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) ein Generalabbonnement oder ein Jahres-Passepartout kaufen, erhielten eine Jahresmitgliedschaft beim TCS geschenkt. Durchgeführt wurde die Aktion von letztem Dezember bis Ende März. Darüber wundern sich Grossstadträte der Grünen und der SP. Sie haben nun deshalb einen Vorstoss zum Thema eingereicht: «Die Mitgliedschaft bringt einige kleinere Vorteile auch für Nicht-Automobilisten, hauptsächlich jedoch eine Pannenhilfe für Autos und Motorräder», schreiben sie in ihrer Interpellation.

So wollen die Grossstadträte etwa vom Stadtrat wissen, inwiefern die verkehrspolitischen Ziele der Stadt durch die Partnerschaft unterstützt oder behindert werden. «Die VBL gehören der Stadt. Deshalb sollten sie auch die Zielsetzungen der Stadt unterstützen», sagt Grossstadtrat Laurin Murer (Junge Grüne). Denn: Die städtische Mobilitätsstrategie hält im Grundsatz fest, dass «die Mobilität auf flächeneffiziente Verkehrsarten verlagert» werden soll. Dazu solle die Stadt ÖV, Fuss- und Veloverkehr fördern. Der motorisierte Individualverkehr hingegen solle das Ausmass von 2010 nicht übersteigen.

Grossstadträte möchten weitere Partnerschaften

Deshalb wünschen sich die Grossstadträte vom Stadtrat auch, ob dieser bei den VBL nicht darauf hinwirken könne, dass auch Partnerschaften mit anderen Organisationen durchgeführt werden. «Wenn schon, dann sollten solche Partnerschaften auch die Zielsetzungen der Stadt unterstützen. Ansonsten ist das kontraproduktiv», sagt Murer. Bessere Beispiele dafür wären laut Murer Mobility, der VCS, der ACS oder auch Pro Velo oder die Organisation Fussverkehr Schweiz.

VBL auch für andere Partnerschaften offen

Laut TCS kamen über 1000 Mitgliedschaften zustande. «Wir geben unseren Fahrgästen jedes Jahr ein Geschenk als Dankeschön ab, wenn sie ihr Jahres-Passepartout oder ein GA am Schalter verlängern», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi auf Anfrage. Der TCS sei auf die VBL zugekommen. Man habe die Idee geprüft und sich danach entschieden, die Aktion durchzuführen. Bertschi verweist darauf, dass es für TCS-Mitglieder etwa auch Bike-Versicherungen oder Rabatte bei Freizeitangeboten gebe. Die Verkehrsbetriebe würden mit verschiedenen Partnern zusammenarbeiten, die sich mit Mobilität befassen. «Wir sind auch für andere Partnerschaften offen, wenn die Partner mit guten Ideen an uns herantreten», sagt Bertschi.

Kritik gab es laut Bertschi nur vereinzelt. «Es gab einige Rückmeldungen bezüglich des Datenschutzes», sagt Bertschi. Denn: Für eine Mitgliedschaft mussten die Kunden ihr Einverständnis geben, dass ihre Adresse an den TCS weitergeleitet wird. Dabei habe es vereinzelt Verwirrungen gegeben: «Am Schalter geht es manchmal hektisch zu und her.» So hätten einige Kunden ihr Einverständnis gegeben und sich offenbar später nicht mehr daran erinnert, als der Brief des TCS ins Haus flatterte. Bertschi betont jedoch: «Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat den Fall untersucht. Wir haben keine Daten unrechtmässig weitergegeben.»

Quelle: 20Minuten

11.4.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde