Ehemaliger Luzerner Grossrat soll Anleger um 1,5 Mio betrogen haben

«Der konnte reden wie ein Pfarrer»

Ein ehemaliger Luzerner Grossrat steht in Bern vor dem Wirtschaftsstrafgericht. Er soll insgesamt 1,5 Mio Fr. ertrogen haben – etwa im Kanton Bern und dem Thurgau.

Laut Anklage steht der ehemalige Luzerner Grossrat H. B.* seit 2011 bei Gläubigern in mehreren Kantonen mit rund anderthalb Millionen Franken in der Kreide. Manch einem schuldet B. seit einigen Jahren mehrere Franken, anderen mehrere hunderttausend.

Der Beschuldigte habe auf sein Ansehen als ehemaliger Luzerner CVP-Grossrat gesetzt und seine Opfer teilweise mit gefälschten Urkunden getäuscht, heisst es in der Anklageschrift weiter.

«Der konnte reden wie ein Pfarrer»

Geprellte Gläubiger, darunter auch Akademiker und Geschäftsleute, berichteten am Montag vor Gericht, sie hätten dem redegewandten Ex-Kantonsparlamentarier und Gantrufer vertraut. «Der konnte reden wie ein Pfarrer», so einer der Gläubiger. Der Mann sei ein guter Schauspieler gewesen, sehr glaubwürdig und selbstsicher.

Doch auch die Aussicht auf fette Zinsen lockte: Ein Zeuge berichtete, er habe für ein Darlehen von 369'000 Fr. rund 81'000 Fr. Zinsen innerhalb eines Monats in Aussicht gehabt. «Ich denke schon, dass der hohe Zins eine Rolle spielte», räumte der Mann etwas betreten ein.

Kaum Informationen eingeholt

Die meisten Geprellten hatten sich vorgängig nicht näher über die Vermögensverhältnisse des Reitstallbetreibers B. informiert oder Sicherheiten verlangt. B. machte es seinen Opfern aber auch nicht leicht, ihn zu durchschauen: Laut Anklage legte er vielen von ihnen ein gefälschtes Dokument einer Luzerner Gemeinde vor, welches bescheinigte, dass B. Geld aus einer Erbschaft zustehe. Darauf verliessen sich die meisten.

Mit diesem Geld und baldigen Gewinnen aus einer Kiesgrube wolle er seine Schulden gleich wieder zurückzahlen, versprach B. Zurückbezahlt habe er kaum etwas, stattdessen habe er sie immer wieder vertröstet, berichteten die Geprellten vor Gericht.

B. war bereits vorbestraft

Dort wurde am Montag klar, dass B. vorbestraft ist, unter anderem wegen betrügerischen Konkurses. Probleme mit Alkohol und Glücksspiel habe er im Griff, betonte er. Er trinke nur noch ab und zu ein Bier und habe sich in Schweizer Casinos sperren lassen. Warum er überhaupt vor Jahren ins finanzielle Schlamassel geriet, konnte er nicht schlüssig erklären.

Allerdings beharrte B. darauf, dass sein verstorbener Vater mit einer Firma einen Vertrag habe, aus dem ihm Geld aus Kiesabbau zufliessen werde, sobald in der Grube wieder abgebaut werde. «Es sind Sachen am Laufen», deutete B. nebulös an.

Er habe aber vor einigen Jahren selber eine Verzichtserklärung unterzeichnet, wonach er keine Abbau- und Deponierechte mehr habe, hielt ihm die Gerichtspräsidentin entschieden vor.

Ein solches Guthaben aus einem Kiesabbau-Vertrag wäre zweifellos auch im Steuer- und Nachlassinventar seines verstorbenen Vaters vermerkt. Dort sei aber nichts dergleichen zu finden. Dafür habe er keine Erklärung, entgegnete der Angeklagte B. leise.

Gericht macht die Rechnung

Selbst wenn es einen entsprechenden Vertrag gebe und er dereinst Einkünfte aus dem Kiesabbau erhalte, würden diese bei weitem nicht reichen, um die rund 1,5 Millionen Franken Schulden abzubauen, rechnete ihm das Gericht vor. Aus dem Kies würde er allenfalls geschätzte 150'000 Fr. lösen.

Der Angeklagte war an mehreren Orten der Schweiz als Reitstallbetreiber tätig, unter anderem im Kanton Solothurn und zuletzt im thurgauischen Mattwil. Von dort musste er im vergangenen Juni weg – und hinterliess mehrere zehntausend Franken Schulden.

Das Urteil des bernischen Wirtschaftsstrafgerichts wird für Freitag erwartet.

*Name der Redaktion bekannt

Quelle: 20Minuten

17.10.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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