Ferien im Baudenkmal

Aussen uralt, innen nigelnagelneu: Eine Stiftung kauft Häuser, die zum Teil älter sind als die Schweiz. Und vermietet sie zu Spottpreisen.

Von aussen sehen die Ferienhäuser, die die Stiftung Ferien im Baudenkmal zur Miete anbietet, richtig alt aus. Aber: Im Inneren der denkmalgeschützten Häuser erstrahlt eine moderne Einrichtung, die den Charme des alten Gebäudes unterstreicht und einen einmaligen Ferienaufenthalt verspricht.

Häuser zu vernünftigen Preisen

Die Stiftung Ferien im Baudenkmal engagiert sich für den Erhalt von historisch wertvollen Gebäuden. «Das Besondere daran ist, dass wir Gebäude sorgfältig restaurierten und für die Öffentlichkeit nutzbar machen, indem wir die Häuser für Ferien zu vernünftigen Preisen vermieten», erklärt Regula Murbach von der Stiftung Ferien im Baudenkmal. Die Häuser sollen Menschen ansprechen, die an Baukultur und Design Freude haben.

842 Franken für eine Woche

Ein kleiner Einblick: Seit diesem Jahr bietet die Stiftung in der Zentralschweiz ein 700-jähriges Haus an, das in Morschach steht und «fast älter als die Gründung der Schweiz ist», betont Murbach. In Unterschächen bietet ein mittelalterlicher Blockbau des Gotthardtypus vier Schlafzimmer und einen grossen Wohnraum. Eine Woche beispielsweise im April 2018 kostet 842 Franken. Bei voller Ausnutzung von acht Personen wären das 15 Franken pro Tag und Person.

Im Obwaldner Bauernhaus in St. Niklausen findet sich im 1770er-Jahre-Bau eine 160 Quadratmeter grosse Wohnfläche mit moderner Innenausstattung. Und in Heiligkreuz können im Luzerner Bauernhaus «Altes Pächterhaus» gleich zwei Wohnungen gemietet werden.

Schweizweit über 30 verschiedene Objekte

«Mit den Einnahmen durch die Vermietung können die laufenden Kosten für den Unterhalt gedeckt werden», sagt Murbach. Nicht der Gewinn der einzigartigen Ferienwohnungen steht im Vordergrund, sondern, dass die Häuser genutzt werden, so Murbach. Vor zehn Jahren wurden die ersten zwei Häuser als Ferienwohnungen angeboten. «Heute haben wir in der ganzen Schweiz über 30 verschiedene Objekte im Repertoire», berichtet Murbach.

Möglichst ursprünglicher Charakter

Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz verlaufe immer «hervorragend». Je weniger am Haus gemacht worden ist, umso besser, sagt Murbach. So werden etwa schräge Böden nicht verändert. Denn die Häuser sollen möglichst authentisch sein, um den historischen Charakter nicht zu verlieren. Der Kontrast zwischen alter Fassade und moderner Ausstattung verleiht dem ganzen eine besondere Ästhetik, «die andere Ferienhäuser nicht haben», so Murbach. Die Auslastung der historischen Ferienhäusern ist mit 50 Prozent sehr hoch. Andere Ferienwohnungen in der Schweiz haben eine Auslastung von 30 Prozent im Jahr, sagt Murbach.

Häusern neue Zukunft schenken

Die Stiftung Ferien im Baudenkmal wird von der öffentlichen Hand, Stiftungen und Spendern unterstützt, so dass noch mehr historische Ferienwohnungen entstehen können. Der Umbau und die Einrichtung des Schwyzer Ferienhauses Tanne etwa hat 800'000 Franken gekostet. «Die Isolation hätte das Haus so verändert, dass wir uns entschieden haben, dieses Haus nur von April bis Oktober zu vermieten», erklärt Murbach. «Wir sind stetig dabei uns nach Häusern umzuschauen, die keine Zukunft mehr haben, aber schützenswert sind.» Den Häusern wird durch die Stiftung eine neue Zukunft geschenkt – und Feriengästen würde eine Freude gemacht.

Quelle: 20Minuten

Video: ZVG Stiftung für Baukultur

15.11.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde