Flixbus will Luzern schon dieses Jahr ansteuern

Fans von günstigen Reisen dürfen sich freuen: Der Fernbusanbieter Flixbus kommt noch in diesem Jahr nach Luzern. Pro Bahn freut sich jedoch gar nicht.

Elf Städte in der Schweiz steuert der Fernreiseanbieter Flixbus schon an – noch in diesem Jahr soll auch Luzern als Haltestelle angesteuert werden: «Wir planen, Luzern 2017 ins Streckennetz aufzunehmen», sagt Pressesprecherin Marika Vetter zum Onlineportal Zentralplus.

Beim Unternehmen hofft man darauf, schon im Frühling oder Sommer Linien über Luzern in den Fahrplan integrieren zu können. Zuerst müsse man jedoch noch die entsprechenden Genehmigungen erhalten. Denn: Die Fernbuslinien müssen vom Bundesamt für Verkehr bewilligt werden. «Geplant sind mehrere Linien in Richtung Italien und Deutschland», sagt Vetter. Welche Routen genau geplant sind, verrät Flixbus noch nicht.

Pro Bahn über Pläne verärgert

Keine Freude an den Plänen von Flixbus hat die Organisation Pro Bahn: «Wir finden diese Entwicklung nicht gut. Durch Fernbusse werden die Bahn und die damit verbundenen hohen Investitionen sabotiert», sagt Karin Blättler von pro Bahn Zentralschweiz auf Anfrage von 20 Minuten. Blättler verweist auf teure Infastrukturprojekte wie die Neat oder auch den geplanten Luzerner Tiefbahnhof. «Fernbusse schwächen das Kosten- und Nutzenverhältnis solcher Projekte zusätzlich.» Gerade in Luzern würde dies zum Problem, wo ein Ausbau in der Infrastruktur dringend nötig sei und genau vom Kosten- und Nutzenverhältnis abhängig gemacht werde.

Blättler fordert zudem, dass für Fernbusse gleich lange Spiesse gelten wie für den ÖV. So müssen Bahn- und Busunternehmen verschiedene Auflagen erfüllen – zum Beispiel beim behindertengerechten Transport oder bezüglich der Sicherheit. «Es gibt Fernbusanbieter, die grenzwertig unterwegs sind», sagt sie.

Kanton will Luzern international besser anbinden

Dass Flixbus nach Luzern kommt, dürfte aber den Plänen des Kantons entgegenkommen. So soll Luzern besser an den internationalen Verkehr angebunden werden, da gewisse Bahnlinien zum Teil nicht rentabel betrieben werden können. Wegen Engpässen können zudem einige Linien erst langfristig mit zusätzlichen Zügen ausgestattet werden. Hinzu kommt: «Die Bahn hat den internationalen Verkehr von und nach Luzern nicht ausgebaut, es ist eher das Gegenteil der Fall», sagt Christoph Zurflüh.

Im seinem aktuellen Agglomerationsprogramm plant der Kanton ein Fernbus-Terminal mit ein, da internationale Busverbindungen zu einer Entlastung von Bahn- und Strassenverkehr führen könne. Rund drei Millionen soll das Terminal kosten, das ab 2019 realisiert wird.

Tourismusorganisation freut sich

Mögliche Standorte für das Terminal sind jedoch noch keine definiert. Jedoch solle es ein zentraler Ort mit guter Anbindung an den ÖV sein. Aktuell halten die meisten Fernbusse auf der Autobahnratstätte Neuenkirch. «Die heutige Situation ist nicht befriedigend», sagt Christoph Zurflüh, Sprecher des Verkehrsverbundes Luzern. Dies, weil die Raststätte nicht per ÖV erreicht werden kann.

Auch für den Tourismus könnten Fernbusse interessant sein: «Wir freuen uns, dass unsere Region international so noch besser erschlossen wird», sagt Sprecherein Sybille Gerardi. Die Tourismusorganisation hofft zudem, dass wegen der günstigen Fernbustarife auch zunehmend jüngere Touristen Luzern als Destination auswählen.

21.1.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde