Gastrobranche im Kanton Luzern leidet unter Nachwuchsmangel

Foto Joseph Birrer

Gastro Luzern hat Mühe, Nachwuchs zu finden. Vielfach würden laut Experten die Eltern dahinterstecken, weil sie für ihre Kinder lieber auf eine andere Karriere setzten.

«Die Nachfrage nach Lehrstellen in der Gastronomie ist seit Jahren gesunken, weil die Branche nicht mehr genug angesehen ist, obwohl sich in den letzten Jahren viel zum Positiven verändert hat », sagt Bastian Eltschinger, Geschäftsleiter der Remimag Gastronomie AG, die mehrere Restaurants betreibt. Obwohl im Fernsehen immer mehr Kochsendungen laufen würden, sind Lehrstellen für Köche und Restaurationsfachleute schwierig zu besetzen.

Ein weiteres Problem sei, dass ausgebildete Köche nicht mehr über viele Jahre hinweg am Herd stehen wollten. «Ich sehe die Gründe etwa in den Arbeitszeiten und dass Eltern ihre Kinder bei der Berufswahl beeinflussen, damit sie nicht in die Dienstleistungsbranche einsteigen», sagt Eltschinger. In ihren Betrieben seien bisher für 2017 noch rund 15 Lehrstellen offen.

Arbeitszeiten als Problem

Den Einfluss der Eltern als Grund für den Nachwuchsmangel sieht auch Ruedi Stöckli, Koch und Präsident von Gastro Luzern: «Dabei ist Koch ein sehr schöner und interessanter Beruf mit vielen Perspektiven.» Er gibt aber zu, dass gerade junge Berufsleute wegen den Arbeitszeiten aus ihrem Freundeskreis gerissen würden, der dann neu aufgebaut werden müsse. Für den Ausgang bleibe Kochlehrlingen aber genügend Zeit. Stöckli: «Heute beginnt dieser so spät, dass auch Köche dann schon Feierabend haben.»

Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung im Kanton Luzern, weiss, dass alle gewerblichen Betriebe Probleme haben, Nachwuchs zu rekrutieren. Das habe mit den Wünschen, Bildern und den Zukunftsvorstellungen der jungen Leute zu tun. «Wegen der demografischen Entwicklung gibt es seit 2012 weniger Schulabgänger und mehr freie Lehrstellen», sagt Spöring. Dies würde sich erst 2021 wieder ändern. Innerhalb der Branche könnte die neue Lehre für Hotelkommunikationsfachleute die traditionellen Berufe konkurrenzieren.

Auszubildende ist begeistert

Begeistert von ihrer Berufswahl ist Julia Anna Trillo (22), angehende Restaurationsfachfrau im zweiten Lehrjahr im Restaurante Bolero in Luzern: «Ich schätze den Kontakt zu Menschen, bin gerne in Bewegung, lerne viel und kann den Gästen ein schönes Erlebnis bereiten.» Ausserdem gebe es viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch ihre Eltern sind in der Gastronomie tätig und sie hörte nur Gutes über deren Berufe. Sogar ihre Arbeitszeiten sieht sie als Vorteil: «Weil ich dann frei habe, wenn die anderen arbeiten. Dann kann ich meinen Hobbys nachgehen, ohne dass es überall voll von Menschen ist.»

Keine Hygienezertifikate im Kanton Luzern

Silvio Arpagaus, Leiter der Dienststelle für Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz im Kanton Luzern, stellte der Gastrobranche an der Delegiertenversammlung von Gastro Luzern ein sehr gutes Zeugnis betreffend der Hygiene aus. Arpagaus zeigte anhand der öffentlich zugänglichen Zahlen auf, dass jeweils etwa zehn Prozent der rund 3000 kontrollierten luzernischen Betriebe Nachholbedarf hätten und jährlich weniger als eine Handvoll Betriebe ernsthafte Probleme hätten.

Arpagaus und Ruedi Stöckli, Präsident von Gastro Luzern, lehnen eine Änderung der Lebensmittelkontrolle im Kanton Luzern ab. Eine solche wird derzeit in parlamentarischen Vorstösssen verlangt wird. Arpagaus sagte, dass etwa Hygienezertifikate in Restaurants keinen Mehrwert brächten, sondern eher Verwirrung stifteten, weil sie keine aktuelle Momentaufnahme darstellten. Dies teilte Gastro Luzern in einem Schreiben mit.

Quelle: 20Minuten

20.4.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde