Hochschule Luzern (HSLU) entwickelt Skijacke der Zukunft

Bild ZVG HSLU

Eine gestrickte Skijacke soll den Sportbekleidungsmarkt revolutionieren. Erforscht wurde die Technik von Designerinnen der Hochschule Luzern.

Immer wieder werden an der Hochschule Luzern (HSLU) neue Produkte erfunden. Etwa neue Carbon-Uhren, Solarhäuser oder neue Kommunikations-Formen in Flugzeugen. Jetzt wurde eine neue Skijacke präsentiert: Im Auftrag der Sportbekleidungsfirma Kjus aus Hünenberg haben Textilforscherinnen des Department Design & Kunst der HSLU die Stricktechnik für Skijacken erforscht und zu perfektionieren versucht. Nach dreineinhalbjährigen Forschungsarbeiten liegt das Resultat jetzt vor: Eine Jacke namens Freelite. «Unser Anliegen war, eine neue Jacke zu entwickeln, die dem Sportler mehr Bewegungsfreiheit gibt», so Kenneth Kurtzweg, Head of Innovation bei Kjus.

Stoff wird direkt an der Strickmaschine geformt

Die Skijacke ist das Ergebnis von dreineinhalb-jährigen Forschungsarbeiten — und soll eine Revolution darstellen. «So wie Freelite gibt es noch kein Bekleidungsstück auf dem Markt», sagt Kurtzweg. Die Jacke wurde zu 95 Prozent gestrickt und passe sich dem Körper an.

Weil die Jacke gestrickt wurde und nicht genäht, bringe sie diverse Vorteile mit sich: «Die üblichen Hightech-Stoffe rascheln, der Strickstoff aber geht ruhig mit der Bewegung das Skifahrers mit», erklärt Isabel Rosa Müggler Zumstein, Co-Leiterin des HSLU-Kompetenzzentrum Produkt & Textil. Der Stoff ist dynamisch und elastisch, er gibt nach, wenn man sich bewegt, nimmt aber danach wieder die ursprüngliche Form an.

Weitere Vorteile seien, dass der Produktionsprozess beschleunigt werde und weniger Restmaterialien entstehen würden, dazu meint Müggler Zumstein: «Wie beim Stricken einer Socke formt man den Stoff direkt an der Strickmaschine in 3D über die technische Konstruktion.» Isoliert sei die Jacke auch besser, weil es kaum Nähte gebe. Müggler Zumstein sagt: «Die Jacke fühlt sich wohlig warm und weich an, fast ein wenig kokonartig.»

Forschung geht bei der HSLU weiter

Müggler Zumstein bedauert nur, dass man der Jacke aus der Ferne das Gestrickte wegen des flachen Designs kaum ansehe. «Wir hätten das gerne radikaler umgesetzt, zum Beispiel auch mit gröberen Strickstrukturen. Doch die Partnerfirma entscheidet, wie sie die Forschungsergebnisse verwertet, sie trägt das Marktrisiko», sagt sie. Die Textilforscherin sieht grosses Potenzial in gestrickten Stoffen: «Unsere Forschung wird weitergehen, denn Strick kann den Produktionsprozess von funktionaler Kleidung revolutionieren.»

Davon ist auch Kurtzweg überzeugt: «Die Dehnbarkeit des Strickstoffes liegt bei 45 Prozent, im Vergleich zeigen andere Stoffe einen Wert von 15 Prozent auf», sagt er. «Die Jacke ist genial, es fühlt sich wie eine zweite Haut an», so Kurtzweg weiter. Günstig ist die Jacke jedoch nicht: Der Kaufpreis beträgt rund 1'200 Franken.

Kjus hat bis jetzt rund 1000 solcher Jacken verkaufen können und Kurtzweg gehe davon aus, dass sich die Umsatzzahlen bei der nächsten Kollektion verdreifachen werden. Die Kunden seien nämlich von der Strickjacke begeistert. Als nächstes plane Kjus eine genauso elastische Hose wie die Jacke Freelite.

Quelle: 20Minuten

16.2.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde