Kanton Luzern – Im Kino-Krieg findet jetzt ein Wettrüsten statt

Mall of Switzerland

Mall of Switzerland

Bild ZVG

In Luzern gibt es bald 18 neue Kinosäle: Sechs neue von Kitag in Emmenbrücke, zwölf von Pathé in Ebikon. Das wird zu Überkapazitäten führen, sagt ein Experte.

Das heutige Kino Maxx am Seetalplatz in Emmenbrücke rüstet auf: Geplant sind dort sechs zusätzliche Kinosäle. Das Maxx hat aktuell acht Kinos. Die Mall of Switzerland in Ebikon, die im September eröffnet, wird zwölf Kinosäle beinhalten. Die Gesamtzahl an neuen Kinosälen in der Region steigt also auf 18 neue Kinos. Damit kommt es zum Kino-Krieg in Luzern: Das Maxx wird von der Kitag betrieben, jenes in Ebikon vom grossen Rivalen Pathé.

«Bis 40 Prozent weniger Besucher im Maxx»

«Dies bringt eine neue Bewegung in Luzern», sagt Filmjournalist Philipp Portmann, CEO der Portmann Group. Er ist überzeugt, dass das Maxx mit der Eröffnung der Mall of Switzerland rund 30 bis 40 Prozent weniger Besucher verzeichnen wird. Er glaubt zwar nicht, dass es mit den neuen Angeboten auf dem Platz Luzern zu viele Kinosäle geben wird. Trotzdem sagt Portmann: «An Wochenenden mit schlechtem Wetter werden die Kinos gut ausgelastet sein. Allerdings wird es unter der Woche eine absolute Überkapazität geben.»

Für Kinos wie etwa das Bourbaki sieht Portmann kein Überlebensproblem, weil es Art-House-Filme zeigt. Kinos mit Nischenangeboten sieht der Experte nicht bedroht.

«Es gibt Potenzial für neue Kinos»

Bei der Mall of Switzerland sieht man dem Ausbau in Emmenbrücke gelassen entgegen, wie Mediensprecher Werner Schaeppi auf Anfrage sagt: «Das Credo der grossen Kinobetreiber ist, dass es in der Schweiz noch Potenzial für neue Kinos gibt.» Schaeppi stellt fest, dass die Mall of Switzerland als Katalysator für weitere Entwicklungen in der Stadt und im Kanton Luzern fungiere.

Laut Filmexperte Portmann ist es wichtig, bei neuen Filmen in den ersten drei Wochen möglichst viele Leute ins Kino zu bringen. «Die grössten Hits werden künftig in mehreren Kinosälen gleichzeitig zu sehen sein, zum Beispiel zwei in Emmenbrücke und weitere zwei in Ebikon.» Das Problem sei, dass die Auswertungsfenster immer kürzer würden, bevor die Filme etwa auf Video on Demand erscheinen. Portmann: «In den USA denkt man zur Zeit darüber nach, dass das schon nach zwei Wochen der Fall sein könnte.»

In der Schweiz sei es so, dass es ein grosses Platzangebot in Kinos geben müsse, damit die Rechnung aufgeht. «Wenn ein Kinobetreiber pro Platz 16 Franken verlangt, bleibt ihm höchstens die Hälfte des Betrages. Die anderen acht Franken gehen an den Filmverleiher.» Darum müsse der Betreiber des Kinos den Umsatz am Kiosk vor und nach dem Film sowie während den Pausen machen. Portmann ist überzeugt, dass die Eintrittspreise dank des verschärften Wettbewerbes mit mehr Sälen in Luzern stabil bleiben werden.

Quelle: 20Minuten

26.2.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde