Kanton Luzern kauft Kunst mit Trauerspenden

Reto Wyss

Reto Wyss

Bildungsdirektor Reto Wyss in der Schule Hildisrieden

Bild ZVG Kanton Luzern

In einer Protestaktion von Künstlern gegen die Finanzpolitik gingen bei der Regierung Kondolenzkarten mit 2600 Fr. ein. Das Geld wird nun in Kultur investiert - aber nicht in die gewünschte.

Mehrmals demonstrierten Luzerner Kulturschaffende gegen die Sparpolitik des Kantons. Ihnen missfällt die Streichung von 800'000 Fr. kantonaler Kulturförderung an die freie Szene. So stiegen sie etwa im Sommer in Fracks beim Lucerne Festival vor dem KKL aus dem See. Während der letzten Kantonsratssitzung empfingen die Kulturaktivisten die Politiker zudem mit einer ironischen «Premierenparty» samt rotem Teppich und Cüpli-Tischen. Hintergrund der Aktionen: Die IG Kultur Luzern will einen kritischen Film über die Finanzpolitik drehen.

Per Crowdfunding wollen sie dafür bis am 5. Februar mindestens 120'000 Fr. sammeln. Bis am Donnerstag waren bereits 41'000 Franken zusammen.

Kondolenzbriefe an die Regierung

Die Aktion «Kultur bleibt!» hoffte, dass sich die Bildungs- und Kulturdirektion mit Geld am Film beteiligt – und zwar mit dem, das von Kulturschaffenden selbst an den Kanton floss. Denn als Protest gegen die Sparpolitik des Kantons Luzern hatten Kulturschaffende im Sommer eine weitere Aktion lanciert. Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss erhielt 400 Kondolenzkarten wegen der Finanzsituation. Mit kleineren Spenden kamen so 2600 Franken zusammen.

Wyss versprach, dieses Geld für die Kulturförderung einzusetzen. Daraufhin bat die Aktion «Kultur bleibt!» Wyss in einem offenen Brief, die gesamte Summe ins Crowdfunding für ihren Film zu stecken. «Der Film ist eine Möglichkeit, das in den letzten Jahren verloren gegangene Vertrauen der Bevölkerung in die Politik zu stärken», wurde argumentiert.

Kanton kauft lieber Skulptur statt Film

Aus der Hoffnung, der Kanton möge das Geld für den kritischen Film über seine Finanzpolitik stecken, wurde aber nichts. Der Betrag wird zwar wieder in ein Kulturobjekt investiert – «ganz im Sinne der Initiantinnen und Initianten der Aktion», wie der Kanton am Donnerstag mitteilte. Mit dem Geld kaufte der Kanton aber das Werk «Schiff» von Künstler Andi Rieser – eine Messingskulptur, die derzeit im Luzerner Kunstmuseum zu bestaunen ist. Künftig wird es ein Zimmer im Departementssekretariat des Bildungs- und Kulturdepartements schmücken. «Dieses Kunstwerk soll stellvertretend für die aktive Kulturförderung stehen, die der Kanton mit den jährlichen Ausschreibungen in den einzelnen Kultursparten finanziert», teilte der Kanton mit.

Habe mich nicht gegen den Film entschieden

Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss sagte auf Anfrage, dass es von vornherein sein Anliegen gewesen sei, das Geld in Kulturförderung zu stecken. Er habe seine Fachkommission gebeten, einen Vorschlag für einen Ankauf zu machen. «Mit dem Kauf des Schiffs fliesst die Spende in das Luzerner Kulturschaffen. Ich habe mich nicht gegen den Film, sondern für die Weiterverfolgung des bereits vor längerer Zeit festgelegten Vorgehens entschieden», sagt er.

Aktion «Kultur bleibt!» freut sich

Catherine Hut von der Aktion «Kultur bleibt!» sagt, dass sie es natürlich gerne gesehen hätte, «wenn unser Vorschlag berücksichtigt worden wäre». Aber: «Das Geld war einen Trauerspende – der Empfänger darf dieses so verwenden wie er will. Grundsätzlich finde ich es super, dass das Geld wieder der Kunst zugute kommt. Ich mag es dem Künstler gönnen.» Schade finde sie, dass seitens der Regierung keine inhaltliche Würdigung dieser «doch sehr persönlichen» Kondolenzkarten stattgefunden hat.

Quelle: 20Minuten

22.12.2017

Andi Rieser

Der Erwerb des Kunstwerkes «Schiff» des Wolhuser Künstlers Andi Rieser folgte aufgrund der Vorschläge der kantonalen Ankaufskommission, eine Subkommission der kantonalen Kulturförderkommission. Rieser betätigt sich laut dem Lexikun zur Kunst in der Schweiz als Druckgrafiker und Plastiker, der auch Kunst am Bau und im öffentlichen Raum macht.