Kranker Tourist kostet Engelberg 348'900 Franken

Ein Tourist wurde während seines Aufenthalts im Sommer 2016 krank und musste wochenlang ins Spital. Nun muss Engelberg für die Spitalkosten aufkommen.

Die Einwohnergemeinde Engelberg muss für einen ausländischen Feriengast blechen. Weil der Tourist während seines Aufenthalts im Sommer 2016 schwer krank ins Spital eingewiesen wurde und dort längere Zeit auf der Intensivpflegestation lag, muss die Gemeinde nun die Behandlungskosten in der Höhe von 348'900 Franken übernehmen.

Spitalrat reduziert Kosten um 40'000 Franken

Der ausländische Tourist hielt sich im Sommer 2016 im Klosterdorf auf. Er erkrankte schwer und wurde ins Spital eingewiesen. Während «längerer Zeit» musste der Patient dabei auf der Intensivpflegestation des Kantonsspitals Nidwalden behandelt werden, bevor er wieder in sein Heimatland zurücktransportiert werden konnte, schreibt das Engelberger Infoblatt. Es handle sich um einen Mann im Pensionsalter aus Übersee, berichtet die «Zentralschweiz am Sonntag».

Nach Überprüfung sämtlicher Finanzierungsmöglichkeiten bestanden für das Spital ungedeckte Restkosten in der Höhe von 388'900 Franken. Der Spitalrat des Kantonsspitals Nidwalden habe entschieden, die Kosten um 40'000 Franken zu reduzieren und somit der Gemeinde Engelberg entgegenzukommen. Somit verblieben rund 348'900 Franken, welche die Einwohnergemeinde Engelberg bezahlen muss.

Regelung basiert auf dem Bundesgesetz von 1977

Gemäss dem Sozialhilfegesetz des Kantons Obwalden sind die Gemeinden unterstützungspflichtig, wenn eine ausländische Person, die sich in der Schweiz aufhält, hier aber keinen Wohnsitz hat, sofortiger Hilfe bedarf. Diese Regelung basiert auf dem Bundesgesetz über die Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger von 1977. Der Einwohnergemeinderat genehmigte laut dem Infoblatt die entsprechende Kostengutsprache.

Ein Fall von solchem Ausmass sei auch für den Tourismusort Engelberg aussergewöhnlich und noch nie dagewesen. Die Gemeindeverwaltung prüft nun, ob und wie sich solche Situationen versichern lassen.

Auch gestürzte Einbrecherin kostete

Einen ähnlichen Fall hatte die Schwyzer Berggemeinde Alpthal erlebt, nachdem ein Pilger im März 2013 auf dem Jakobsweg einen Schwächeanfall erlitten hatte und gestürzt war. Die Gemeinde blieb auf Behandlungskosten von 100'000 Franken für den mittellosen EU-Bürger sitzen.

Im Januar 2011 sah sich die Luzerner Vorortsgemeinde Horw mit Spitalkosten für ein 14-jähriges Mädchen aus Kroatien ohne Versicherungsschutz konfrontiert. Dieses war nach einer Einbruchstour auf der Flucht vor der Polizei verunfallt und danach querschnittgelähmt.

7.2.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde