Luzerner Biotechnologe holt Kickbox-WM-Titel

Markus Adlun ist seit dem Wochenende Kickbox-Weltmeister im Mittelgewicht. Für den 34-jährigen Biotech-Ingenieur aus Luzern ist der Kampfsport eine «Lebensschule».

Seine Leidenschaft zum Boxsport hat Markus Adlun erst spät gefunden. Mit Mitte 20 ging er zum ersten Mal ins Training. Seither hat er Titel als Schweizermeister, Europameister und Interkontinental-Meister sammeln können. Nun ist er auch Kickbox-Weltmeister nach K1-Regeln im Mittelgewicht bis 72,3 kg.

Technisches KO in der 5. Runde

In den letzten Wochen hat der 34-Jährige viel Zeit damit verbracht, sich für den WM-Kampf gegen den Japaner Kimura Kazumari vorzubereiten. Dass er in den Ring steigen durfte, entschied sich erst kurzfristig. «Die Abschlussuntersuchung der Ärzte war erst viereinhalb Wochen vor dem Kampf», sagt Trainer Thomas Hladky. «Bis dahin wussten wir nicht, ob Markus wirklich kämpfen darf.»

Denn der Luzerner Weltmeister hatte sich vor eineinhalb Jahren eine schwere Schulterverletzung zugezogen und musste operiert werden. Seither war er nicht mehr im Ring. Dass er so lange keinen Profi-Kampf hatte, «sah man ihm an», so sein Trainer. «Er war etwas verkrampft und verbissen.» Dennoch sei Markus ein «Arbeitstier», der gegen seinen starken Gegner standhielt und diesen in der fünften Runde durch technischen KO besiegte.

«Ich musste viel wegstecken. Aber ich wollte es mir selbst beweisen, dass ich nach der Verletzung wieder im Ring stehen kann», sagt Adlun. Er zeigte am Samstagabend beim Kampf im Grand Casino Luzern, dass mit harter Arbeit alles möglich ist. «Ich bin mir sicher, dass ich von Gott gelenkt wurde», sagt der gläubige Christ und fügt lächelnd hinzu: «Schön, dass es sich so gefügt hat, dass ich in meiner Heimat, in Luzern, den Titelkampf ausführen konnte.»

«Zum Glück steht meine Frau hinter mir»

Acht bis zehn Mal in der Woche trainierte er vor seinem grossen Kampf, um den Gürtel der World Kickboxing Federation (WKF) zu ergattern. Seit acht Jahren arbeitet er Vollzeit bei Roche Diagnostics in Rotkreuz als Biotechnologie-Ingenieur. Derzeit macht er eine Weiterbildung, die ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt. «Zum Glück steht meine Frau Diana voll und ganz hinter mir. Ohne sie wäre ich nicht Weltmeister geworden», erzählt er mit strahlenden Augen.

«Kickboxen ist wie eine Lebensschule»

Von seinem Hobby, in dem er Weltklasse ist, «kann man in der Schweiz finanziell nicht leben», sagt Adlun. Das Kickboxen sei für ihn neben einer grossen Leidenschaft auch «wie eine Lebensschule». Man lerne eiserne Disziplin und Respekt. «Obwohl es ein Einzelsport ist, ist es am Schluss doch wieder ein Teamsport. Das gefällt mir am Kampfsport.»

Wie es sportlich mit Markus Adlun weitergeht, steht noch in den Sternen. «Wir hoffen, dass er sich einen internationalen Namen machen kann», sagt sein Trainer Thomas Hladky. Wichtig sei dabei nicht, welche Titel er gewinnt, sondern gegen wen er in den Ring tritt. Adlun fokussiert sich nun aber erst einmal auf seine Weiterbildung und freut sich darauf, endlich wieder mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können – und den Hochzeitstag nachzuholen, den er wegen des Trainings nicht feiern konnte.

Quelle: 20Minuten

16.10.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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