Luzerner Satire-Video nimmt Kanton wegen Steuerstrategie aufs Korn

Mit einem satirischen Imagefilm nimmt die Luzerner Kunstszene dem Kanton wegen dessen Steuerstrategie aufs Korn. Polizei, Post, Permanence oder Schule: Alles wird in den Kiosk ausgelagert.

Nachempfunden ist der Film einem Beitrag der SRF-Sendung «Schweiz aktuell». Die vermeintliche Reporterin Monika Huber besucht den fiktiven Kioskinhaber Edwin Käser. Der Kiosk sei seit einiger Zeit auch eine Poststelle. Sogleich will eine Kundin bei Kioskinhaber Käser, der von Schauspieler Patric Gehrig gespielt wird, auch Einzahlungen machen.

Und nicht genug damit: Käser ist auch Lehrer. Sein 17-jähriger Sohn war bis vor kurzem noch in der Schule. «Im Zuge der Sparmassnahmen hat der Kanton nun ein neues, innovatives Homeschoolingprojekt implementiert», sagt die Reporterin. Direkt im Kiosk befragt der Betreiber also seinen Sohn zu einem Stück von Shakespeare. Kaum fängt dieser mit den Erklärungen an, bimmelt die Glocke der Kiosktür: Käser muss einem Kunden Zigaretten und ein Los verkaufen.

Kioskbetreiber hat alle Hände voll zu tun

Kaum ist der Kunde weg, unterbricht ein Notfall die Reportage: Eine besorgte Mutter will die Schnittverletzung ihrer Tochter behandeln lassen. Käser weiss natürlich sofort zu helfen: Er betreibt in seinem Kiosk nämlich auch eine Permanence-Klinik, wie alles andere auch vom Kanton an den Kiosk ausgelagert. «Ein weiteres innovatives Sparprojekt des Kantons Luzern, das ermöglicht, dass der Pflegeaufwand in den Notfallstationen der Kantonsspitäler massiv reduziert werden kann», so die Reporterin.

Und in diesem Stil geht es weiter: Der Kiosk ist auch ein Polizeiposten und Käser führt auch das Steuertelefon des Kantons, aus Spargründen dorthin ausgelagert. Und prompt klingelt dieses: «Ich weiss jetzt auch nicht, was ich Ihnen auf die Schnelle raten soll, Herr Schwerzmann. So eine Steuerstrategie ist doch eine recht komplexe Sache», sagt der Kioskbetreiber ins Telefon. Er lädt den Finanzdirektor aber zu einer persönlichen Beratung ein, um anzuschauen, warum dessen Steuerstrategie nicht funktioniere.

Kanton bleibt locker

Nach Feierabend geht Käser vor sein Lokal, Musiker Christoph Rolla gesellt sich mit der Gitarre dazu. Und natürlich singen sie: «Bini Gottfried Stutz e Kiosk? Oder bini öppene Bank?» Während sie singen, montieren Arbeiter ein weiteres Schild am Kiosk: «Historisches Museum Luzern». Auch dieses wird in Käsers Kiosk ausgelagert.

«Die geplanten Kürzungen haben bei den Kunst- und Kulturschaffenden einen Schock und Ängste ausgelöst», sagt die Geschäftsleiterin der IG Kultur Luzern Eva Laniado. Mit dem Video habe man diese Ängste mit einem ironischen Blick auf die Zukunft im Kanton Luzern zusammenfassen wollen. Laut Laniado will man sich auch mit weiteren Mitteln geben die Abbaupolitik wehren: Unter dem Motto «Das kann nicht weg!» wird am 8. September – kurz vor der Session des Kantonsrates – ein Aktionstag veranstaltet. «Wir wollen uns gemeinsam wehren und planen für diesen Tag verschiedene Aktionen», sagt sie.

Beim Kanton bleibt man auf Anfrage von 20 Minuten ob des kecken Videos locker: «Filmsatire ist, wie Politik, ein anspruchsvolles Handwerk», sagt Andreas Töns, Informationschef des Kantons. «Politik ist vielleicht noch ein bisschen schwieriger, weil das Resultat mehrheitsfähig sein muss. Dafür ist die Kunst freier, und diese Freiheit darf und soll sie nutzen.»

Quelle: 20Minuten

23.8.2017

Gegen Abbaupolitik

Der «Imagefilm» des Kantons Luzern wird am 8. September auf dem Theaterplatz in Luzern gefeiert. An diesem Tag findet dort ein Aktionstag gegen die kantonale Abbaupolitik statt. Organisiert wird der Anlass von der IG Kultur und der Allianz für Lebensqualität.

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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