Luzerner Vorzeige-Hochhaus «Aalto» wird totalsaniert – Mieter werden rausgeworfen

Schönbühl Luzern mit dem Aalto-Hochhaus

Schönbühl Luzern mit dem Aalto-Hochhaus

Bild Google Maps

Das Aalto-Hochhaus in Luzern wird saniert. Die Mieter müssen raus. Für die vielen Rentner im Haus ist es besonders schlimm. Ihre Sorge: im hohen Alter nichts Neues zu finden.

Die Verzweiflung im Aalto-Hochhaus in Luzern ist gross. Das Gebäude im Schönbühl-Quartier wurde 1968 bezogen und wird komplett saniert. Alle Mieter der 84 Wohnungen müssen raus – voraussichtlich bis Ende Juli 2018.

Der Verwalter, die Redinvest Immobilien AG, teilte den Entscheid letzte Woche an einem Info-Abend mit. Die Hiobsbotschaft traf die vielen Rentner im Haus wie ein Schlag ins Gesicht. «Es war für alle ein Schock», sagt Lisbeth Egli (71) zu BLICK. «Ich dachte immer, wir könnten hier bleiben. Trotz Renovation!»

Viele Mieter können sich nichts Vergleichbares leisten

Die Dame lebt seit 27 Jahren im Aalto-Hochhaus. Nun verliert sie ihr Heim. Die Rentnerin ist verzweifelt – und wütend. Noch schlimmer: «Wer schon 2017 auszieht, muss den Mietvertrag einhalten!» Das heisst, der Besitzer besteht auf einer drei- oder viermonatigen Kündigungsfrist samt Vollreinigung.

Egli dazu: «Das ist unfair. So findet man erst recht keine neue Wohnung.» Sie zahlt aktuell 1500 Franken für ihre dreieinhalb Zimmer inklusive Nebenkosten und Parkplatz. Sie weiss: «Im Quartier kann ich mir nichts Vergleichbares leisten.»

Auch ihr Nachbar Bodo Fütterer (90) glaubt nicht, dass er und seine Frau etwas Brauchbares finden. Der pensionierte Ingenieur lebt seit 50 Jahren im Aalto-Hochhaus: «Ich mietete die Wohnung schon im Rohbau.» Er fühlt sich hintergangen: «Man schmeisst uns raus und fordert noch drei Monate Miete. Das ist das Allerletzte!»

Die Kündigungsfrist erregt die Gemüter

Franz Moser (71) nervt sich ebenfalls. Er will nur noch weg. Genau wie Nachbar Beat Blättler (72), der schon seine sieben Sachen packt: «Meine Frau und ich leben seit 25 Jahren hier. Klar würden wir lieber bleiben.» Die Sanierung kommt für ihn nicht überraschend. «Damit musste man rechnen», sagt er. «Aber die geforderte Kündigungsfrist ist skandalös!»

Die Verwaltung verweist auf die Notwendigkeit der Sanierung

Die Gesamtsanierung ist für die Verwaltung Redinvest Immobilien AG unumgänglich. «Als das Haus gebaut wurde, lag die Bauqualität deutlich unter den heutigen Anforderungen», so Immobilientreuhänder Daniel Ringli zu BLICK. Aber man möchte den Mietern mit individuellen Gesprächen bei der Wohnungssuche helfen. Das heisst, es gibt Empfehlungsschreiben an andere Verwalter, Eigentümer oder soziale Einrichtungen wie etwa Pro Senectute. Ringli bestätigt, dass aktuell die vertraglichen Kündigungsfristen gelten.

Er verspricht auf BLICK-Anfrage: Ab 2018 wird die Frist auf 30 Tage verkürzt. «Ob diese Regel bereits früher zum Tragen kommt, ist momentan Gegenstand von Gesprächen mit dem Vermieter», sagt Ringli. Und weiter: «Ganz sicher werden wir auch für Mieter bereits 2017 eine gütliche finanzielle Einigung finden, falls eine solche benötigt wird.» Immerhin ein kleiner Trost für die verzweifelten Rentner.

Quelle: BLICK

26.5.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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