Petition gegen «Disney-World» auf der Rigi

Die Rigi ist Naherholungsgebiet – und Touristenmagnet. Nun wollen die Rigi-Bahnen zur Steigerung der Attraktivität bis zu 60 Millionen Franken investieren. Dagegen regt sich Widerstand.

Die Rigi ist für viele Schweizer ein beliebtes Ausflugsziel. Ein Naherholungsgebiet, das zum Wandern und Entspannen einlädt. Doch die Königin der Berge ist auch sehr touristisch. Jährlich befördern die Bahnen 780'000 Passagiere auf den Berg, darunter auch zahlreiche Touristen aus dem asiatischen Raum.

Schaukäserei oder Schnapsbrennerei

Nun wollen die Bahnen 60 Millionen Franken investieren. Im sogenannten Masterplan sind die Ausbaupläne vorgestellt. «Wir wollen eine zeitgemässe Infrastruktur schaffen», sagt Marcel Waldis, Vizedirektor der Rigi-Bahnen AG. Eine neue Luftseilbahn auf Rigi Kaltbad und neues Rollmaterial für die Zahnradbahn sind wesentliche Punkte des Projekts. «Die Ankunft auf Rigi Kulm soll modernisiert werden», so Waldis weiter.

Veränderungen soll es auch auf Rigi Staffel geben. «Wir wollen das Eventzelt zurückbauen und den Gastrobereich auffrischen. Ich könnte mir eine kleine Schaukäserei oder eine Schnapsbrennerei vorstellen», sagt Waldis. Auf Rigi Kaltbad soll zudem der Spielplatz modernisiert werden.

«Ich möchte keine Disney-Atmosphäre»

All diese Veränderung sorgen bei Einwohnern und Politikern für rote Köpfe. So auch beim grünen Luzerner Nationalrat Louis Schelbert: «Die Rigi ist ein wunderbarer Ausflugsort. Ich gehe sehr gern auf den Berg, und das Gastroangebot ist hervorragend. Das schätze ich sehr. Mit diesem Projekt ist die Qualität aber in Gefahr.»

Auch CVP-Ständerat Konrad Graber unterstützt die Petition. Er sagt: «Wir haben eine intakte Bergwelt und ich möchte keine Disney-Atmosphäre. Die Rigi ist von allen Seiten gut erreichbar und das Angebot für Wanderer und Biker ist toll.»

Petition gegen das Projekt «Masterplan»

Der Kulturwissenschaftler Réne Stettler, der selbst auf Rigi Kaltbad lebt, initiierte eine Petition gegen das Projekt und den Massentourismus. Mit dem Titel «Nein! zu Rigi-Disney-World» sammelt man nun Unterschriften, wie die «Zentralschweiz am Sonntag» berichtet. Auch Schelbert und Graber unterzeichneten wie gut 100 andere die Petition. Weitere Unterzeichner sind etwa alt Nationalrätin Cécile Bühlmann, Kabarettist Emil Steinberger oder Politikwissenschaftler Iwan Rickenbacher.

Verärgert über diese Petition ist man bei den Rigi-Bahnen: «Wir sind enttäuscht», sagt Waldis. «Es ist schade, dass die Petitionäre nicht ein bilaterales Gespräch gesucht haben. Wir sind aber weiterhin offen für Gespräche, und die Nachhaltigkeit ist uns ein wichtiges Anliegen.»

Quelle: 20Minuten

16.10.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde