Rehkitzsuche mit Wärmebildkamera

Rehkitzsuche mit Wärmebild-Drohnen

Tausenden Rehkitzen droht jedes Jahr der Tod durch den Mäher. Drohnenpiloten retten die Tiere per Wärmebildkamera. Nun bildet sich gar ein Kollektiv aus ehrenamtlichen Kitz-Rettern.

Sobald Bauern mit Mäher und Mähdrescher unterwegs sind, wird es für Rehkitze sehr gefährlich. Denn: Fühlen sich die Jungtiere bedroht, drücken sie sich instinktiv so flach wie möglich auf den Boden anstatt wegzurennen. Im hohen Gras kann das fatal enden: Oft sehen Bauern die Tiere zu spät. Jährlich sterben deshalb bis zu 1500 Rehkitze.

Immer öfter werden deshalb Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um die Rehkitze im hohen Gras aufzuspüren und vor dem Mähtod zu bewahren.

Kitz musste 90 Minuten auf Erlösung warten

Dies tut auch Drohnenpilot Martin Schumacher aus Luzern, der das Unternehmen air-view.ch führt. Schumacher will nun die Rettung der Rehkitze mit seiner Onlineplattform Rehkitzsuche.ch koordinieren. Dort können Bauern Drohnenpiloten finden, die ihre Felder absuchen, bevor gemäht wird. «Ziel ist es, dass Bauern sehen, ob in ihrer Region ein Drohnenpilot diesen Service anbietet. Es ergibt wenig Sinn, wenn ich weite Strecken zurücklege und es in der Nähe des Einsatzortes jemanden hat, der den Einsatz leisten könnte», sagt er.

Ziel sei es auch, dass die Kommunikation von Bauern und Jägern etwas besser und flexibler funktioniere. «Wenn jeder etwas Flexibilität zeigt, könnte man mit der Drohne deutlich mehr Felder abfliegen Rehkitzen vor dem Tod bewahren.»

Schumachers Motivation dazu hat auch einen traurigen Mitgrund: «Keine fünf Minuten von meinem Wohnort entfernt wurde kürzlich ein Rehkitz von einem Mäher sehr schwer verletzt.» Das Jungtier habe dabei drei Beine verloren und sehr gelitten. «Das arme Kitz musste eineinhalb Stunden bei knapp 30 Grad leiden, bis es von einem Jäger erlöst werden konnte.»

Schumacher hat im Mai und im Juni über 20 Felder abgeflogen und dutzende Kitze gefunden.

High-Tech-Wärmebildkamera an Drohne

Eine bessere Koordination zwischen Jägern und Landwirten könne viel Leid verhindern. Und: «Mit dem entsprechenden Equipment kann man die Kitze innert kurzer Zeit aufspüren», sagt Schumacher.

Dazu hat der professionelle Drohnenpilot auch einiges investiert. 28'000 Franken hat er für die Drohne und die professionelle Wärmebildkamera ausgegeben, die hochpräzise Bilder liefert und die er deswegen in den USA registrieren lassen musste. «Je besser das Equipment, umso höher die Erfolgsquote», weiss er. Eigentlich hatte er die Wärmebildkamera angeschafft, um für Kunden Solarpanels zu kontrollieren. «Man sieht so sofort, welche Solarzellen nicht richtig funktionieren.»

Pilot arbeitet ehrenamtlich

Die Rehkitzrettung macht er nebenbei. Seine Einsätze erledigt er wie seine Kollegen ehrenamtlich. «Wenn ich die Investitionskosten amortisieren wollte, müsste ich rund 350 Franken pro Stunde verlangen. Welcher Bauer bezahlt das schon?» Es sei auch gut möglich, dass es in einer Wiese gar keine Kitzlein habe.

Derzeit sind auf der Plattform neben Schumacher erst zwei andere Piloten aus Freiburg und Basel aktiv. Doch künftig sollen es immer mehr werden: «Es wäre toll, wenn wir so möglichst viele Kitze vor dem Tod bewahren könnten.»

Mehr Informationen unter www.rehkitzsuche.ch

Quelle: 20Minuten

Video ZVG: www.rehkitzsuche.ch

25.6.2018

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