Riesiges Theater mitten in der Stadt Luzern

Jesuitenkirche Luzern

Jesuitenkirche Luzern

Foto Joseph Birrer

Die Luzerner Freilichtspiele finden 2018 direkt vor der Jesuitenkirche statt. 21 Mal soll der Platz vor der Reuss im Sommer deshalb abends gesperrt werden.

Es ist einer der besten Plätze, welche die Stadt für öffentliche Veranstaltungen überhaupt zu vergeben hat: Der Platz vor der Jesuitenkirche, direkt an der Reuss. Dort wird ab 25. Mai bis Ende Juni das Stück «Jedermann» unter freiem Himmel gespielt, es ist eine Co-Produktion des Luzerner Theaters und der Freilichtspiele Luzern. Erwartet werden über 11'000 Zuschauer.

Die Luzerner Freilichtspiele führen eigentlich auf der Halbinsel Tribschen alle zwei Jahre ein Stück auf, dort wird jeweils auf einer Wiese Bühne und Tribüne hingestellt, auch in diesem Sommer wird auf Tribschen ein Stück aufgeführt. Neu ist, dass wieder mitten in der Altstadt gespielt wird. Damit werde eine alte Tradition von Fasnachts- und Osterspielen wiederbelebt, teilte das Luzerner Theater am Dienstag mit. Die städtische Kulisse von Luzern biete sich für die Produktion geradzu zu an.

Negativer Rat als Ansporn

Gemäss den Initianten war ihnen abgeraten worden, den Platz vor der Jesuitenkirche für mehrere Wochen für ein Theater in Beschlag nehmen zu wollen. Es brauche Bewilligungen von Stadt und Kanton, tangiert sei auch eine europäische Veloroute und ein Markt, erklärten sie. Diese möglichen Hindernisse seien für sie aber ein Ansporn gewesen.

Platz ab 20.15 Uhr gesperrt

Gespielt wird von 25. Mai bis Ende Juni 2018 ab 21 Uhr. Es gibt 540 ungedeckte Sitzplätze, die sich teilweise über der Reuss befinden. Für Velos und Fussgänger ist der Platz an Aufführungsabenden gesperrt, dies bereits ab 20.15 Uhr. Bei schlechtem Wetter soll ins Luzerner Theater, das sich unmittelbar neben der Kirche befindet, ausgewichen werden.

Bewilligung steht noch aus

Noch seien die nötigen Bewilligungen nicht erteilt, sagte Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen. Im Grundsatz seien sich Stadt und Initianten aber einig, dass der Anlass stattfinden soll. «Die Initianten konnten uns in einer Vorprüfung davon überzeugen, dass dieses Projekt einen besonderen Charakter hat», begründet Lütolf. Der Intendant des Luzerner Theaters sowie die Verantwortlichen der Freilichtspiele seien verlässliche Partner. Nun müssten diese verschiedene Konzepte für die Bewilligung einreichen, vor allem gehe es dabei um Sicherheits- und Verkehrsfragen, sagte Lütolf.

Fussballfans könnten Theater übertönen

Die Theaterleute seien von der Stadt auch explizit darauf aufmerksam gemacht worden, dass ab Mitte Juni in Russland die Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet und in dieser Zeit einige Hupkonzerte die Aufführungen auf dem Jesuitenplatz stören könnten. «Das ist eine Herausforderung, die den Initianten sehr wohl bewusst ist», so Lüfolf. Beim Luzerner Theater sagte Sprecherin Carle Barmettler dazu: «Wir haben auf die WM Rücksicht genommen und das Openairspektakel maximal nach hinten verschoben, sodass es nur eine zehntägige Überschneidungsphase gibt. Ausserdem versteht unser «Jedermann» etwas von Fussball und wird mit Fan-Scharen, Hup-Konzerten und Co. umzugehen wissen.»

Anwohner sind positiv eingestellt

Die Nachbarschaft im Quartier ist laut den Initanten informiert worden, mit den ansässigen Gastrobetrieben bietet das Theater für das Freilichtspektakel gar Packages an. Die Box vor zwischen Theater und Jesuitenkirche wird als Treffpunkt und Apero- und Lounge-Plattform genutzt. «Bereits am 19. Januar gab es eine Info-Veranstaltung für Anwohner, umliegende Geschäfte und Gastronomie/Hotellerie. Das Projekt ist auch dort auf offene und interessierte Ohren gestossen, was uns natürlich sehr freut», sagte Carole Barmettler, Sprecherin des Luzerner Theaters.

Beim örtlichen Quartierverein Kleinstadt sieht man dem Spektakel positiv entgegen, wie Präsident Jürg Willen-Buob auf Anfrage sagte. «Grundsätzlich ist das eine gute Sache. Wir wurden vorab informiert, alles ist gut geplant.»

Markfahrer müssen weg

Hingegen haben nicht alle Betreiber des Marktes Freude. Ein Marktfahrer sagte am Dienstag: «Mein Stand steht genau vor den Treppen, wo die Bühne hin soll.» Er bekomme zwar einen anderen Standort zugewiesen, aber diese könnte seine Stammkundschaft verwirren. Andere Standbetreiber auf dem Jesuitenplatz sehen keine Probleme, wenn an einem neuen Standort verkaufen müssen.

Laien und Profis spielen zusammen

Die Tragödie «Jedermann» von 1911 nach Hugo von Hofmannsthal über das Leben und Sterben des reichen Mannes gehört zu den populärsten Stücken des deutschsprachigen Theaters. In ihm treten nach dem Vorbild mittelalterlicher Mysterienspiele abstrakte Begriffe wie Mammon und Gute Werke, Glaube und Tod leibhaftig als Figuren auf. Am «Luzerner Jedermann» werden Schauspieler des Luzerner Theaters und Laiendarsteller mitwirken. Regisseur ist Thomas Schulte-Michels, wie am Dienstag bekannt gegeben wurde. Er sagte, ihn interessiere am Stück die Frage, was am Ende des Lebens bleibe.

Kulturpolitisches Ziel der Aufführung ist gemäss den Initianten, das gegenseitige Verständnis zwischen Stadt und Land zu fördern und ein kulturelles Zusammenrücken zu ermöglichen. Der Intendant des Luzerner Theaters, Benedikt von Peter, zeigte sich als Auswärtiger beeindruckt davon, mit welcher Leidenschaft in den Zentralschweizer Dörfern Theater gespielt werde. Er sprach von einem «ungehobenen Schatz», der mit dem Luzerner Theater verknüpft werden solle.

Quelle: 20Minuten

6.4.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde