Rigi-Bahn ohne Lokführer?

Foto Joseph Birrer

Die Rigi könnte der erste Schweizer Berg sein, auf dem Bahnen ohne Führer fahren. Die Passagiere von heute sehen das noch etwas skeptisch.

Die Rigi-Bahnen brauchen neue Züge, die ein halbes Jahrhundert lang im Einsatz stehen werden. Dabei soll auch der Einsatz von Rollmaterial geprüft werden, das von alleine den Berg hoch fährt: «Führerloses Fahren ist das Fahren der Zukunft», sagt Stefan Otz, Direktor Rigi Bahnen AG. «Jedes Bahn- oder Busunternehmen macht sich Gedanken über führerloses Fahren. Also müssen auch wir das tun.»

Rigi ist der ideale Testberg

Die Rigi-Bahnen seien von Interessengruppen aus Forschung und Technik angefragt worden, ob man der Pilotbetrieb für führerlose Züge sein möchte, berichtete der «Bote der Urschweiz». Die Rigi sei dazu prädestiniert: «Wir besitzen kein grosses Streckennetz, die Zahnradbahn fährt nie über 20 km/h und die Zugdichte des Fahrplans ist nie so ausgeprägt wie bei anderen Verkehrsmitteln», so Otz. Er könnte sich vorstellen, dass führerlose Züge vorteilhaft wären – man könnte Kosten sparen und vielleicht die Effizienz steigern – «aber nie zu Lasten der Sicherheit.» Gänzlich führerloses Fahren sei zudem für die Rigi-Bahnen «zurzeit schwer vorstellbar».

Flugbegleiterin ist skeptisch

Die Rigi-Besucher reagierten am Sonntag unterschiedlich auf die Vorstellung, wie eine Umfrage vor Ort zeigte. Eine Amerikanerin (48), die das erste Mal auf der Rigi war und als Flugbegleiterin arbeitet, sagte: «Im Flugzeug gibt es auch einen Autopiloten. Aber bei Gefahr entscheidet der Mensch und schaltet diesen aus. Wenn Züge automatisch gesteuert sind, muss ebenfalls eine Person anwesend sein, die alles kontrolliert.»

Auf der Rigi war auch die Familie Reist aus Pfäffikon ZH. Leila Reist (44) sagte: «Solange die Bahn ankommt und funktioniert, kein Problem. Aber was ist, wenn plötzlich ein Reh auf den Gleisen steht?» Ihr Mann Willi (47) betont, dass es ja bereits führerlose U-Bahnen gebe. Bei den Rigi-Bahnen könnte er sich allerdings bei winterlichem Wetter Probleme vorstellen. «Ich halte führerlose Züge für sicherer als selbstfahrende Autos», sag er aber.

Und Tochter Amelie Reist (13) findet: «Es ist besser, wenn es einen Lokführer hat. Wenn etwas passiert, weiss er, was zu tun ist. Wenn aber nur ein Computer im Zug ist wären die Passagiere aufgeschmissen. Wie sollten sie dann wissen, was machen?»

«Das ist unpersönlich»

Andere Rigi-Gänger machen sich hingegen weniger Sorgen um die Sicherheit, sie sehen ein anderes Problem: «Führerlose Rigi-Bahnen fände ich nicht so toll, das ist doch unpersönlich», sagte eine Tagestouristin aus Basel. Und ein Aargauer, der auf der Rigi ein Haus besitzt, meinte: «Ich bin offen für Ideen. Aber der nostalgische Touch ginge bei führerlosen Bahnen verloren.»

Quelle: 20Minuten

24.4.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

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