Rote Karte für Luzerner Güselsünder

Batterien, Handys, Radios: Solche Fremdstoffe will der Abfallverband in der Grünabfuhr nicht mehr sehen. Er schickt jetzt Studenten los, welche die Container vor den Häusern durchwühlen.

Im Grüngut stecken viel Energie und Nährstoffe. Der Entsorgungsverband Real verarbeitet deshalb die Grünabfälle zu Kompost, Biogas und Abwärme. Dem Entsorger stellt sich aber ein Problem: Immer wieder werden auch andere Abfälle in der Grünguttonne entsorgt. «Viele entsorgen korrekt. Es gibt aber immer wieder Peaks, wo wir mehr Fremdstoffe im Grüngut finden», sagt Yudi Seren, verantwortlich bei Real für PR und Marketing.

Speisereste, Blumentöpfe, Plastiksäcke, Katzenstreu, Asche, Glas, Kerichstsäcke und PET – die Liste der Fremdstoffe ist lang. «Von kleineren Dingen bis zu grösseren Gegenständen landet leider vieles im Grüngut, was dort nicht hinein gehört.» Auch Ausweise, Kleiderbügel oder Gartenscheren und -handschuhe habe man schon entdeckt. «Es wurden auch schon Tierkadaver gefunden. Das ist natürlich besonders unangenehm für die Mitarbeiter bei der Aussortierung», sagt Seren. Und sogar Handys, Batterien, Radios oder Brillen wurden schon im Grünabfall gefunden.

Studenten wühlen in Kompost-Containern

Jetzt startet Real einen Sensibilisierungskampagne mit einer Guerilla-Aktion. Studenten werden ab Mittwoch die Grüngut-Container auf Fremdstoffe prüfen. Im Sammelgebiet wird für jedermann sichtbar, wo die Grünabfuhr korrekt entsorgt wird und wo Verbesserungspotential besteht: Auf Containern, in denen die Studenten sehr viele Fremdstoffe finden, bringen sie einen Kleber mit einem roten Container-Comix-Männchen an. Dieses klagt in einer Sprechblase: «Oh nein, Fremdstoffe im Grüngut! Das gibt Probleme bei der Verwertung.» Ein oranges Container-Männchen wird auf Containern angebracht, in denen ebenfalls Fremdstoffe zu finden sind, aber nicht so viele wie in den rot markierten. Und die Musterschüler unter den Luzerner Abfallentsorgern erhalten einen grünen Kleber auf ihre Container.

Die lustigen Etiketten sollen laut Real Aufmerksamkeit erregen und die Luzerner mit Humor für das Thema sensibilisieren. «Wir wollen nicht mit dem Finger auf die Leute zeigen. Wir wollen so aufzeigen, dass nur Grüngut ohne Fremdstoffe vollständig weiterverarbeitet werden kann», sagt Seren. Von der Kampagne erhofft man sich eine Verbesserung der Situation.

Die Kampagnenfigur heisst «Toni Grün», teilte der Verband am Dienstag mit. Ein QR-Code auf den Klebern leitet die Luzerner zudem direkt auf die Website der Kampagne, wo es Informationen zum Thema gibt.

Studenten wurden extra rekrutiert und geschult

«Die Studenten wurden speziell für diese Aufgabe rekrutiert und geschult .» 15 bis 20 Personen werden diese Aufgabe in den Gemeinden übernehmen. In der Stadt selbst werden die Bürger mit einem Flyer informiert, der am 6. April in den Briefkästen landen soll.

Real goes Instagram

Mit einem Wettbewerb auf Instagram will Real zudem auch Jugendliche auf das Thema aufmerksam machen. «Es ist eher schwierig, Jugendliche für solch ein Thema zu sensibilisieren. Wir wollen damit einen neuen Weg ausprobieren und sind gespannt, ob es klappt.» Unter dem Hashtag #realgrüngut können Teilnehmer Grüngut-Fotos posten. Für den besten Post gibts Openairtickets zu gewinnen.

2016 hat der Entsorgungsverband insgesamt 21'987 Tonnen Grüngut eingesammelt. Bei 223'426 Einwohnern im Einzugsgebiet ergibt das einen Schnitt von 98 Kilogramm pro Einwohner. Wie hoch der Anteil an Fremdstoffen ist, wird bei Real nicht erhoben.

Quelle: 20Minuten

29.3.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde