Schneekanonen sollen Titlis-Gletscher retten

Wegen der diesjährigen Hitzewelle schmilzt der Titlis-Gletscher in Engelberg noch schneller als sonst. Eine technische Beschneiung soll nun seine Existenz retten.

«Seit mehr als 20 Jahren geht der Gletscher Titlis stetig zurück. Jetzt kommt sogar ein Fels zum Vorschein, den man vor 25 Jahren nicht gesehen hat», sagt der Marketingleiter der Titlis-Bergbahnen, Peter Reinle. Diesen Sommer sei der Gletscher-Rückgang besonders stark: «So wie die Schnee-Situation im Moment ist, ist es bei uns normalerweise für Ende August bekannt.»

Schneearme Vorwinter und zu warme Sommer

Schuld am Schrumpfen des Gletschers sind: «Schneearme Vorwinter und zu warme Sommer», betont Reinle und macht sich Sorgen: «Das hat Auswirkungen auf die Skipisten, die Gletscher-Wanderwege und betrifft den Gletscherpark mit der gesamten Infrastruktur — einfach alles.»

Der Gletscher-Schwund sei ein wohlbekanntes Problem, gegen das die Titlis-Bergbahnen schon in den letzten Jahren ankämpfen mussten. Reinle: «Der Skilift steht auf dem Gletschereis. Wir müssen jeden Sommer die Masten auf den Skipisten um ein bis zwei Meter verschieben und uns der Natur anpassen. Weil das Eis schmilzt, bewegt sich der talwärts fliessende Gletscher.»

Titlis-Bergbahnen setzen auf technische Beschneiung

Die Titlis-Bergbahnen wollen mit einer technischen Beschneiung dem Schrumpfen des Gletschers entgegenwirken, berichtet «Tele1». Die Idee sei schon seit längerer Zeit vorhanden — jetzt wird das Fünf-Millionen-Projekt umgesetzt: «Wir ziehen eine ein Kilometer lange Wasserleitung bis zur Gletscherzunge hinauf und werden den Gletscher mit fünf Schneekanonen beschneien», erklärt Reinle. Vor zwei Monaten begannen bereits die Arbeiten und sollen im Oktober «am Anfang der Skisaison» beendet sein. Der Schnee soll mit der Zeit zu Eis werden.

Die Titlis-Bergbahnen gehörten zu den ersten Bergbahnen, die einen Gletscher künstlich beschneien würden. Reinle: «Es gibt noch zwei andere Möglichkeiten: Den Gletscher mit Vliesdecken abdecken, damit das Sonnenlicht reflektiert wird und das Snow Farming, wo mit Pistenfahrzeugen Graben gebaut werden, um den fallenden Schnee einsammeln zu können.» Die Vliesdecken würden auf dem Titlis bereits 7'000 Quadratmeter Gletscher-Fläche einnehmen.

Gibt es 2050 den Gletscher Titlis noch?

Und dennoch: «2050 wird vom Titlis-Gletscher nicht mehr viel übrig bleiben, denn mit seinen 3000 Höhenmetern befindet er sich auf einer ungünstigen Höhenlage. Er schmilzt schneller als etwa der grosse Aletschgletscher, der in seinen höchsten Lagen bis auf über 4000 Meter reicht», sagt Gletscherexperte David Volken. Die diesjährige Hitzewelle und der schneearme Winter habe bei den Gletschern im Alpenraum sehr viel Schaden angerichtet. Volken: «Der Schnee, der als Schutzschicht dient, ist bereits bis über 3200 Metern geschmolzen, teilweise noch höher. Die Hitze ist Gift für den Gletscher.»

Wenn es weiterhin so heiss bleibe, dann sieht es Volken kritisch: «Im letzten Jahr hatten die Schweizer Gletscher einen Volumenverlust von eineinhalb Prozent — schlimmstenfalls sind es 2017 vier Prozent.»

Künstliche Vliesabdeckung löst nicht Gletscher-Problem

Das Schmelzen der Gletscher könne man nicht verhindern, aber punktuell künstlich hinauszögern schon, so Volken: «Die Vliesabdeckung, die auch am Titlis verwendet wird, hilft punktuell weniger Verlust zu haben — verhindert aber nicht das Schmelzen.» Volken sagt, dass man die Co2-Emission global massiv reduzieren müsste, um die Erderwärmung zu verlangsamen. «Hier kann die Schweiz als hochentwickeltes Land eine Vorzeigerolle einnehmen und eine Entkarbonisierung der Wirtschaft anstreben.»

Quelle: 20Minuten

13.7.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde