Sleepless in Switzerland von Oliver Schmid

Ein Hobbyfilmer stieg bei Nacht auf mehrere Berggipfel und fror sich den Hintern ab. Das hat sich gelohnt: Entstanden sind atemberaubende Bilder der Milchstrasse.

Der Zuger Oliver Schmid (42) begab sich von Februar bis August auf Schweizer Berggipfel. Er besuchte 15 Orte, um spektakuläre Aufnahmen zu produzieren. «Ich habe 17 Nächte durchgemacht und über 200 Stunden am Computer verbracht», sagt Schmid. Während diesem Projekt sammelten sich über 30'000 Fotos an. Entstanden ist ein faszinierender Zeitraffer: Die Schweiz einmal von einer ganz anderen Seite.

Das Zentrum der Milchstrasse

Zuvor musste Schmid aber einiges lernen: Er setzte sich mit der Schwierigkeit hell-dunkel auseinander. Mit Hilfe von E-Books und Blog-Beiträgen bereitete er sich darauf vor. Das helle galaktische Zentrum der Milchstrasse ist in der Schweiz nur von Februar bis September sichtbar. «Es bewegt sich nur knapp über den Horizont, was das Fotografieren in einem hügeligen und dicht besiedelten Land wie der Schweiz mit sehr viel Lichtverschmutzung besonders schwierig macht», erzählt Schmid.

Wegen den kurzen Nächten während der Sommerzeit können kaum lange Timelapse-Sequenzen aufgenommen werden. Der beste Moment für solche Aufnahmen in den Sommermonaten ist die Abenddämmerung. «Die vielen Gewitter in diesem Sommer brachten mich oft zur Verzweiflung», sagt er.

«Auf dem Grimselpass war es saukalt»

Es gab einige kalte Nächte, so Schmid. «Auf dem Grimselpass war es saukalt», erinnert er sich. Auf dem Titlis sei es ebenfalls sehr kalt gewesen. «Zum Glück konnte ich mich in der Bergstation gelegentlich aufwärmen», so Schmid weiter. Als dann die letzte Talfahrt angesagt war, forderten ihn die Angestellten der Titlis-Bahnen jedoch dazu auf, mit nach unten zu kommen. Doch Schmid wollte von dem nichts wissen und trotzte den widrigen Bedingungen. «Nun waren auch sie weg und ich befand mich als einziger Mensch auf dem Titlis.»

Auf dem Mythen diente ein Bänkli als Schlafplatz. Mit einer dicken Jacke und Thermo-Unterwäsche verbrachte er die Nacht. «Zum Schlafen bin ich aber nicht gekommen, ich war zu aufgeregt», sagte Schmid.

«Freude an Bildern treibt mich immer wieder an»

Schmid produzierte bereits in der Stadt Zug einen Zeitrafferfilm. Dieser beinhaltete auch Sternen-Sequenzen. Die Reaktionen darauf waren äusserst positiv, sagt er. Grund genug für Schmid, ein weiteres Timelapse-Video zu realisieren.

Auf die Frage, was ihm Energie gibt und ihn antreibt, sagt Schmid: «Spezielle Erlebnisse geben mir Kraft. Ich möchte Geschichten bei Nacht erzählen. Die Freude an Bildern treibt mich immer wieder an».

Oliver Schmid ist selbstständig, er entwickelt Apps und designt Websites. «Das Erstellen von solchen Timelapse-Filmen ist zurzeit nur eine Freizeitbeschäftigung», so Schmid. Wer weiss, wie lange dies bei so atemberaubenden Bildern noch der Fall ist.

Quelle: 20Minuten

Video: Oliver Schmid

21.9.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde