Snapchat

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Bild ZVG Snapchat

Auch wenn Inhalte auf Social-Media-Plattformen wie Instagram Stories oder Snapchat nur temporär geteilt werden, sollte dies gut überlegt sein. Denn die Eindrücke bleiben haften, wie eine Studie sagt.

Traditionell bleiben einmal geteilte Inhalte für immer im Netz und können nur sehr schwer zurückgenommen werden. Ein Partyfoto, das auf positive Reaktionen in sozialen Medien stösst, kann Protagonisten Jahre später bei der Stellensuche zum Verhängnis werden.

Bei einer in den USA durchgeführten Umfrage gaben 93 Prozent der Personalmanager an, Stellensuchende auch nach deren Präsenz auf sozialen Medien zu beurteilen. Was dabei zum Vorschein komme, habe einen direkten Einfluss auf die Anstellungschancen.

Ungehemmtes Teilen

Hier kommen Snapchat oder Instagram Stories scheinbar wie gerufen, denn Inhalte werden nach 24 Stunden automatisch wieder gelöscht. Vorteil für die Sharer: Inhalte können nicht zwei, drei oder fünf Jahre später noch gesichtet werden. Inhalte, die nicht mehr existieren, könnten uns später nicht mehr zu schaffen machen, so die gängige Meinung. Doch ein Experte warnt: «Genau dies erhöht die Motivation, ungehemmt zu teilen», sagt Prof. Reto Hofstetter von der Universität Luzern.

Eine verhaltenswissenschaftliche Untersuchung von Forschern der Universität Luzern und der Harvard University weist darauf hin, dass Vergänglichkeit von Daten kein Allheilmittel ist. «Eindrücke bleiben längerfristig im Kopf, auch dann, wenn die Daten schon lange gelöscht sind», sagt Hofstetter. Bedeutet: Ein auch nur temporär geteiltes indiskretes Foto kann einen bleibenden negativen Eindruck hinterlassen.

Was geteilt wird – und nicht wie

Die Wissenschaftler fanden weiter heraus, dass die Betrachter Indiskretionen direkt auf das Urteilsvermögen der Person beziehen, die ein Foto geteilt hat. Sie berücksichtigen dabei nicht, dass das Foto nur kurzzeitig geteilt wurde, was jedoch aus Sicht der Teilenden die Indiskretion entschuldige. Heisst: «Was geteilt wird ist wichtiger, als wie es geteilt wird.»

Die Situation akzentuiert sich mit der zunehmenden Öffnung von Plattformen wie Snapchat oder Instagram. Anfänglich hat vergängliches Teilen vor allem im bilateralen Kontext mit engen Freunden stattgefunden, vermehrt werden die Inhalte jedoch mit komplett fremden Personen geteilt. «Viele Leute wissen nicht, mit wem sie alles auf sozialen Medien befreundet sind, denn viele der Freunde sind nur Bekannte oder gar Fremde», so Hofstetter. Vor diesem Hintergrund kann es sich auch auf Snapchat oder Instagram lohnen, vor dem Teilen einmal eine Pause einzulegen und kurz über die möglichen Empfänger und längerfristigen Konsequenzen nachzudenken.

Prof. Reto Hofstetter von der Uni Luzern führte die Studie gemeinsam mit seinem ehemaligen Doktoranden Roland Rüppell und Leslie K. John, Professorin an der Harvard Business School, durch.

Quelle: 20Minuten

26.12.2017