Superhaus in Emmen – Gebäude ohne Heizung

Bild: Visualisierung Baumschlager Eberle Architekten

Emmen erhält ein Bauwunder: Ein Gebäude ohne Heizung. Die Wärme kommt von Menschen, Computer und vom Licht.

Es ist ein «energetisches Bauwunder», schwärmt die Gemeinde Emmen: An der Emmenweidstrasse bei der Viscosistadt entsteht bis 2019 ein Superhaus – das erste Gebäude der Schweiz, das ohne Kühlung, mechanische Lüftung und Heizung funktioniert, teilte die Gemeinde mit. Der Trick dabei: Durch die Abwärme der Menschen, der Computer, des Lichts und weiteren Maschinen wird das Bürogebäude mit der nötigen Wärme versorgt.

Bauchef frohlockt

«In Zukunft brauchen wir intelligente Lösungen, um den Energiehaushalt in Griff zu haben. Es ist das erste Gebäude einer solchen Art in der Schweiz. Ich finde das schön, dass dieser einzigartige Bau in Emmen entsteht», sagt Josef Schmidli, Direktor Bau und Umwelt. «Für Emmen als Energiestadt ist dieser innovative Bau zukunftsweisend. Es wird sicher Interesse und Neugier wecken, wie es funktioniert», sagt Schmidli weiter.

Abwärme der Menschen ist Heizung

Einzigartig am Bau ist, dass die Temperatur des Hauses durch die thermische Masse und durch ein modernes Regelungssystem stabilisiert wird. «Die Mauern sind sehr massiv. Sie sind beachtliche 80 Zentimeter dick und haben einen zweischaligen Aufbau. Durch die Masse und eine effiziente Isolierung wird eine sehr gute Wärmedämmung erreicht», erklärt Schmidli.

Bei sommerlicher Hitze wird nachts mit Zugluft gekühlt. «Abends kann die kühlere Luft von aussen durch das ausgeklügelte Regelungssystem über Klappen in das Gebäude reinströmen. So wird es abgekühlt und sorgt für gute Raumtemperatur und Luftqualität.» Auch tagsüber würde somit frische Luftzufuhr gewährleistet. Das Ziel sei, dass man eine geregelte Innentemperatur zwischen 22 und 26 Grad erreichen könnte.

Wenn neu, dann auch innovativ

«Das alte Gebäude war sanierungsbedürftig und man fragte sich, was man damit machen kann. Also haben die Eigentümer einen Wettbewerb gestartet», sagt Schmidli. Die Architekten Baumschlager Eberle haben mit ihrem energetischen Bau die Jury überzeugen können, denn: «Der viergeschossige Neubau nimmt Rücksicht auf die historische Umgebung im Spannungsfeld zwischen Zukunft und Vergangenheit, Innovation und Erbe, sowie in ökologischer und ökonomischer Hinsicht. Und wenn man ein neues Gebäude baut, dann soll es auch innovativ sein», betont Schmidli.

Erster Prototyp in Österreich

Die Architekten Baumschlager Eberle haben bereits im 2013 ein Bürogebäude als Prototyp im österreichischem Lustenau realisiert. «Es existiert erst ein solches Gebäude — somit ist der zweite derartige Bau in Emmen auch noch ein Prototyp. Es ist immer eine Herausforderung, wenn man etwas Neues anpackt — aber ich bin zuversichtlich.»

9,5 Millionen Baukosten

«In der Immobilienentwicklung braucht es Innovation und für das Risiko Mut», so Adrian Brun, Inhaber der Brun Real Estate AG und Bauherr des Projektes. Die Baukosten würden 9,5 Millionen betragen. Das Gebäude soll innert zwei Jahren entstehen. «Wir beginnen mit dem Bau diesen September und der Erstbezug wird voraussichtlich anfangs Januar 2019 sein», so Brun weiter.

«Die erste und zweite Etage konnten bereits vermietet werden. Dafür war keine grosse Werbung notwendig, die Interessenten haben sich schnell bei uns gemeldet.» Bei der Vermietung müsse sich der Mieter an spezielle Auflagen halten, damit das Energiesystem funktionieren würde. «Man kann beispielsweise die Lampen nicht einfach aufteilen wie man will, denn das Licht ist genau berechnet», so Brun weiter.

Quelle: 20Minuten

17.5.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde