Verstopfte Pumpen, hohe Kosten – Schwyzer schmeissen tonnenweise Güsel ins WC

Kondome, Windeln und Tampons: Weil zu viel Abfall im WC landet, belehrt der Kanton Schwyz nun seine Bürger. Denn: Der Güsel verursacht hohe Kosten.

Mit einem Flyer wollen das Amt für Umweltschutz und der Verein Saubere Abwasser Schwyz die Bevölkerung dafür sensibilisieren, den Abfall korrekt zu entsorgen. Das Problem: Viel zu viel Abfall landet im Kanton Schwyz in der WC-Schüssel statt im Güselkübel. «Wir stellen in letzter Zeit fest, dass vermehrt Pumpen im Abwassersystem verstopft sind», sagt Peter Inhelder, Vorsteher des Schwyzer Amts für Umweltschutz. Verteilt wurde das Merkblatt in alle Haushaltungen im Kanton.

Das Problem: Während Toilettenpapier ohne Komplikationen durch die Leitungen gespült wird, sind Hygieneartikel wie Feuchttücher, Binden oder Windeln reissfest. «Die Reinigung der verstopften Pumpen braucht Zeit und kostet Geld», sagt Inhelder. Hinzu kommt: «Der Abfall, der durch die Pumpen gelangt, muss spätestens in den Rechen der Abwasserreinigungsanlagen herausgeholt und entsorgt werden.»

104 Tonnen Abfall im Jahr 2015

Allein beim Abwasserverband Höfe, der das Abwasser im Gebiet Freienbach, Wollerau und Feusisberg reinigt, landeten im vergangenen Jahr 104 Tonnen Güsel in den Rechen. «Wir entsorgen wöchentlich fünf bis acht Container voll Abfall», sagt Geschäftsführerin Karin Thum. Dabei sind es aber nicht bloss Hygieneartikel, die das WC runtergespült werden. Allerhand Kuriositäten fischen die Mitarbeiter der dortigen ARA aus den Rechen: Strümpfe, Socken, sonstige Kleidung oder auch viele Essensreste sammeln sich dort an.

Wenn eine Abwasserpumpe im Kanalnetz verstopft ist, sind es auch die Mitarbeiter der ARA, die die Pumpe reinigen: «Das ist keine schöne Arbeit», sagt Thum. Dabei muss es jeweils schnell gehen. Ansonsten staut sich das Abwasser in den Kanälen an oder läuft irgendwo über. «Wir hoffen, dass sich die Bevölkerung den Aufruf im Flyer zu Herzen nimmt», sagt sie. Denn: Eine Pumpe zu reinigen, kostet Zeit und Geld. «Es im Interesse der Bevölkerung. Je mehr Einsätze wir leisten müssen, umso mehr steigen die Kosten. Die Gebühren muss die Bevölkerung bezahlen.»

Ähnlicher Flyer im Kanton Zug erfolgreich

Auch im Kanton Zug kennt man das Problem: Dort wollte der Gewässerschutzverband Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ) im Sommer 2015 ebenfalls mittels Flyer die Bevölkerung für das Problem sensibilisieren. Mit Erfolg. «Insgesamt hat es eine Verbesserung gegeben», sagt GVRZ-Geschäftsführer Bernd Kobler. Das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema ist laut Kobler gestiegen: «Die Leute setzen sich intensiver damit auseinander. Wir erhalten auch mehr Anrufe von Personen, die sich nach der korrekten Entsorgung bestimmter Stoffe wie Medikamenten oder Chemikalien erkundigen», sagt der Geschäftsführer weiter.

Zwar gebe es immer noch zeitweise Verstopfungen bei bestimmten Abwasserpumpen, aber: «Das dürfte auf einzelne Personen zurückzuführen sein. Insgesamt hat sich die Disziplin verbessert.»

Quelle: 20Minuten

16.12.2016

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde