Wasserhaus unter A2

Ein solches Gebäude gibt es in der Schweiz noch nicht: Unter dem A2-Viadukt an der Reuss ist ein Gebäudekomplex geplant, das die Lücke zwischen Wasseroberfläche und Autobahn füllen soll.

Es ist bis jetzt nicht der schönste Fleck in der Stadt Luzern: der knapp 300 Meter lange Lehnenviadukt zwischen Reussmatte und Reussegg. Über den Viadukt führt die A2. Die Fläche unter dem Viadukt liegt jedoch brach und weist keine Vegetation auf. Ein kleiner Weg führt vorbei.

Dies soll sich ändern, wenn es nach dem Luzerner Architekten Frieder Hiss geht. «Start-up Reusstal» heisst das Projekt, mit dem die Fläche unter dem Viadukt besser genutzt werden soll.

Areal nicht für Autos erschlossen

Die Idee: Unter dem Viadukt werden auf 3000 bis 4000 Quadratmetern Raumzellen installiert, die als Ateliers, Studios, Schulungs- oder Praxisräume oder von Start-ups genutzt werden könnten. Das Dach könnte auch als Plattform für Unterhaltsarbeiten an der Autobahn genutzt werden.

«Die Projektidee birgt Aufwertungspotenzial für das rechte Reussufer. Die Stützpfeiler und die Lärmschutzwände der Autobahn sind heute nicht zu übersehen. Darunter befindet sich jedoch ungenutzter Raum», sagt Hiss.

Die Räume, die über das Reussufer hinausragen sollen, würden jedoch nicht direkt mit Parkplätzen erschlossen. Diese würden im Industriegebiet Ibach installiert. Dort steigt man beispielsweise auf ein Elektromobil um: «Das Areal ist ausschliesslich Fussgängern, dem Veloverkehr und Elektromobilen vorbehalten», sagt Hiss. Zusätzlich könnte das Areal mit einem neuen Steg über die Reuss erschlossen werden.

«Es wäre ein Pionierprojekt»

«Das Echo zum Projekt ist bis jetzt positiv», sagt Hiss. Bevor dieses jedoch realisiert werden könnte, brauche es für diverse Abklärungen eine Machbarkeitsstudie – auch zur Einschätzung der Kosten.

Wegen der Nähe zu Reuss und Autobahn wären neben der Stadt auch der Kanton und der Bund beim Projekt involviert. So muss laut Gesetz bei Bauprojekten grundsätzlich einen Mindestabstand zu Fliessgewässern eingehalten werden. Da jedoch die Stützpfeiler der Autobahn in der Reuss stehen, handelt es sich um einen Spezialfall, der auch bewilligungsmässig ein Novum darstellt. «Es wäre ein Pionierprojekt einer städtebaulichen Verdichtung an einem brachliegenden Ort und könnte daher Anstoss sein für Folgeprojekte in ähnlichen Lagen.»

Parteien bringen Idee auf politisches Parkett

Die Idee von Hiss findet nun auch Unterstützung aus der Politik. Denn: Die SP und die Grünen der Stadt Luzern haben vor kurzem im Rahmen der Kampagne «Luzern lebt», die sie gemneinsam mit der GLP führen, einen Vorstoss zum Thema eingereicht. Sie fordern den Stadtrat dazu auf, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen und die öffentliche Diskussion dazu zu lancieren.

Laut SP-Präsident Claudio Soldati würde man mit dem Projekt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. «Benötigter Gewerberaum wird geschaffen, das rechte Reussufer wird belebt und das Gebiet wird städtebaulich aufgewertet», sagt er. Das Projekt könne auch eine Brücke schlagen zwischen der Stadt Luzern und dem Entwicklungszentrum im Norden mit dem Seetalplatz und der Viscosistadt.

Etwa Kleingewerbler könnten laut Soldati profitieren. Für sie sei der Platz in der Stadt Luzern beschränkt. «Bei Wirtschaftsthemen geht es meistens nur um grosse Betriebe.» Das Kleingwerbe werde aber oft aussen vor gelassen. «Es geht auch darum aufzuzeigen, dass die Aufwertung von Stadtgebieten nicht immer mit Grossprojekten durchgeführt werden muss. Das geht auch mit kleineren Vorhaben», sagt Soldati. «Nun ist es an der Politik, ein Zeichen dafür zu setzen.»

Quelle: 20Minuten

1.6.2017

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde