Wegen Hochwasser auswärts kacken

Altautos sind der Gemeinde ein Dorn im Auge

«Die Altautos sind der Gemeinde ein Dorn im Auge», sagte der Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Schwyz Rodrigue Bieri noch vor kurzem. Grund: Mehrere Geisterautos haben sich mit der Zeit auf einem Parkplatz nahe des Seeufers angesammelt. Aus einem Auto lief Öl aus. Um mögliche Verschmutzungen zu verhindern, wollte die Gemeinde darauf hinwirken, dass die Autos vom Parkplatz verschwinden.

Nun ging alles ganz schnell: Denn weil der Lauerzersee wegen der vielen Niederschläge über die Ufer getreten ist, wurden die Geisterautos inzwischen entfernt. Öl kann also keines mehr in den See gelangen. «Es war eine Notmassnahme. Es ging wegen dem Wasser nun alles schneller», sagt der zuständige Schwyzer Gemeinderat zum «Boten der Urschweiz».

Weil der Lauerzersee über die Ufer getreten ist, wurde die Kanalisation abgestellt. Die Behörden riefen alle Anwohner auf, sich auswärts zu versäubern.

Der Wasserstand des Lauerzersees hat in den vergangenen Regentagen eine kritische Höhe erreicht. Am Dienstag nun erhielten alle Anwohner der Quartiere auf Seeniveau von den Behörden ein Merkblatt: «Die ganze Bevölkerung wird gebeten, ab sofort die Verursachung von Schmutzwasser auf ein Minimum zu beschränken. Den Bewohnern rät der Gemeindeführungsstab, die hauseigenen Sanitäranlagen (WC, Bad, Dusche) nicht mehr zu benutzen», heisst es darin. Denn die Kanalisation ist derzeit nicht mehr in Betrieb.

Das bedeutet für die Betroffenen, dass sie auswärts duschen und aufs WC sollen. Die Gemeinde hat aber eine pragmatische Lösung gefunden: «Ab sofort können die sanitären Anlagen in der Mehrzweckhalle Husmatt durch die Bevölkerung benutzt werden», schrieb sie. Auch in der Nacht stehe die Halle offen.

Laut Auskunft der Feuerwehr sind vor allem Wohnhäuser im Gebiet Niedermatt und Teile der Seestrasse betroffen. «Es geht bei unserem Aufruf vor allem darum, dass man nicht mehrmals zu Hause duscht oder badet und dann Wasser ablässt. Wenn man hingegen ein, zwei Mal das WC benutzt ist das kein Problem», sagt Elmar Bürgi, Kommandant der Lauerzer Feuerwehr. Strenger war die Auflage der Behörden beim Hochwasser 2005: Damals durfte man in einigen Liegenschaften die Toilette gar nicht mehr benutzen. Einige WC-Anschlüsse mussten gar abgedichtet werden.

Wasserstand sinkt wieder

Der Dauerregen liess den Wasserstand des Lauerzersees in der Nacht auf Dienstag stark ansteigen. Zuvor noch bei einem Wasserstand von rund 447,25 Metern, stieg der Pegel ab Sonntag immer weiter an und erreichte am Dienstag seinen Höchststand von 448,50 Metern über Meer, wie beim Bundesamt für Umwelt zu lesen ist. Seit Dienstagmittag beruhigt sich die Lage und der Pegel sinkt wieder leicht ab. Offen ist laut Bürgi aber noch, wann die Betroffenen wieder problemlos daheim duschen können.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Für die Feuerwehr gab es viel Arbeit: «Wir waren die letzten Tage immer im Einsatz», sagt Bürgi. Bei den meisten Einsätzen habe man verschiedene Gebäude und die Infrastrastruktur der ARA mit Sandsäcken vor einfliessendem Wasser schützen müssen.

«Wir haben zudem Bäche kontrolliert und wenn nötig und möglich Wasser abgeleitet», sagt Bürgi. Aber auch auf dem Wasser war die Feuerwehr im Einsatz: Sie musste Schiffe aus Bootshäusern bergen. «Mit dem steigenden Wasserstand drohten die Boote, an die Decke gedrückt zu werden, weshalb wir sie bergen mussten.»

«Wir kennen die Situation»

Insgesamt war die Feuerwehr dieser Tage mit 35 Personen im Einsatz, hinzu kamen noch Gemeindearbeiter, die Unterstützung leisteten. «Es ist alles gut verlaufen», so Bürgi. Im Umgang mit Hochwasser sei man erprobt: «Wir kennen die Situation und waren dementsprechend vorbereitet.»

Die Lage dürfte sich weiterhin entspannen: Laut Meteonews gibt es in den kommenden Tagen nur wenig Niederschlag im Gebiet.

Quelle: 20Minuten

25.1.2018

ZST Zentralschweizer Tafelrunde

Bild ZST Zentralschweizer Tafelrunde