Wo eine Spielgruppe da ein Bordell

Stadt Luzern

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Energie aus den Abwassern. Foto Joseph Birrer

An der Lindenstrasse in Luzern hat ein neuer Sexbetrieb eröffnet – im selben Haus wie eine Spielgruppe. Stadt Luzern und Anwohner ärgern sich, können aber nichts dagegen tun.

Das neue Puff befindet sich ausgerechnet in einer privaten Liegenschaft, in der auch eine Kinder-Spielgruppe ihren Raum hat. Gleich angrenzend an das Grundstück befindet sich ein Spielplatz, der der Stadt Luzern gehört. Eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte, ärgert sich: «Es macht mich sauer, dass die Freier und die Kinder den selben Hauseingang benützen müssen.» Damit seien die Kinder dem Rotlichtmilieu ausgesetzt.

Eine andere Anwohnerin sagt: «Ich finde das Bordell voll daneben. Ich weiss nicht, ob Kinder von dem was mitbekommen.» Am Abend würden jeweils fette Schlitten auffahren. «Reiche Männer steigen aus, echt schlimme Leute», sagt die Frau: «Wenn ich ein Kind hätte, würde ich es niemals in diese Spielgruppe schicken.»

Stadt und Quartierverein auch nicht glücklich

«An der Lindenstrasse reiht sich bald ein Puff an das andere und ich finde das eine absolute Schweinerei», sagt Adolf Zemp, Präsident des Quartiervereins Udelboden. Dies sei sehr schade für das ganze Quartier. An der Lindenstrasse würden Leute aus rund 70 Nationen friedlich zusammenleben und ein Mal pro Jahr gemeinsam feiern. Zemp befürchtet, dass die Bewohner und das Gewerbe aus der Lindenstrasse vertrieben werden.

«Als Stadt sind wir nicht glücklich darüber, dass ein neues Bordell eröffnet worden ist», sagt Maya von Dach, Projektleiterin Quartierentwicklung in Luzern, die sich seit Jahren für die Aufwertung des Quartiers einsetzt. Gegen das Bordell kann die Stadt aber nichts unternehmen: «Wir haben kein Mitbestimmungsrecht bei privaten Liegenschaftsbesitzern.» Die Spielgruppe wird allerdings die Adresse in zwei Monaten wegen Mangel an Kindern verlassen. Die Stadt Luzern bezahlte bisher einen Anteil für die Miete des Raumes, der mehrfach genutzt wird, etwa für das Frauen-Cafe.

Das Bordell wird auf Sparflamme betrieben

Laut von Dach hat die Stadt erst seit kurzem Kenntnis vom Einzug des Bordells. Als sie den Eigentümer kontaktieren wollte, war dieses bereits bezogen. In der Zwischenzeit habe die Polizei an besagter Adresse eine Umnutzung festgestellt. Die Abteilung Städtebau habe darum beim Grundeigentümer Auskünfte verlangt – es müsse ein nachträgliches Baugesuch eingereicht werden. Dies bestätigt Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche in der Stadt: «Im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens wird geprüft, ob diese Bewilligung erteilt werden kann.»

Bordell-Inhaber Oliver Krauss sagt auf Anfrage, dass er den Betrieb aus Rücksicht auf die Spielgruppe bis zu deren Auszug auf Sparflamme fahre und auch noch keine Inserate geschaltet habe. Krauss: «Die Spielgruppe ist pro Woche nur gerade etwa an zwei bis drei Tagen für ein paar Stunden im Hause. Wir werden darum auch erst aktiv, wenn die Kinder gegangen sind.» Auch habe er sich mit dem Hausbesitzer und der Betreuerin der Spielgruppe abgesprochen. Krauss betont: «Bisher gab es keinerlei Probleme.»

Quelle: 20Minuten

28.4.2018

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