Zuger Seefest vor dem Aus

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Bild ZVG Stadt Zug

Weil sie immer weniger Mitglieder hat, organisiert die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Zug das Seefest nicht mehr. Das ist nicht das einzige Fest, das unter Mitgliedermangel leidet.

«Mit einem solchen Personalbestand ist die Durchführung des Zuger Seefestes mit über 20'000 Besuchern schlicht nicht mehr machbar», sagt Roman Jenny, Präsident der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Zug (FFZ).

Seit Jahren sinkt die Zahl der Vereinsmitglieder. Als die FFZ 1973 das Zuger Seefest erstmals in Eigenregie organisierte, waren es über 300, aktuell sind es noch 141. «Es fielen immer mehr Aufgaben auf immer weniger Leute. Nun geht es schlichtweg einfach nicht mehr.» Deshalb wird die FFZ selbst 2018 kein Zuger Seefest organisieren.

«Profitables Fest nur noch dank Sponsoren möglich»

Auch die Kosten machen den Organisatoren zu schaffen: Trotz Wetterglück und hohen Besucherzahlen reicht das Geld aus dem Festbetrieb am Ende nicht mehr aus. «Ein profitables Fest ist nur noch dank Beiträgen von Sponsoren und der öffentlichen Hand möglich», sagt der FFZ-Präsident. Gibt es einmal Wetterpech – wie etwa 2016 – hat das Verluste zu Folge.

Hinzu kommt: Falls kurz vor oder während des Fests die FFZ zu einem Einsatz gerufen würde, müsste die Veranstaltung mit «schwerwiegenden finanziellen Folgen abgebrochen werden», sagt Jenny. Denn die FFZ übernimmt nicht nur die Organisation. Viele Verpflegungsstände werden von FFZ-Mitgliedern betreut, hinzu kommen ehemalige Mitglieder, die Jugendfeuerwehr sowie externe Helfer. Die Feuerwehrleute müssten dann von ihren Posten davonrennen und zum Feuerwehreinsatz eilen. «Dann wären viele Stände plötzlich zu.»

«Seefest war für uns eine Herzensangelegenheit»

Und: «Die Verantwortung, die der Verein und insbesondere dessen Funktionäre bei der Veranstaltung tragen, ist ausserordentlich», sagt Jenny. Sollte ein «ausserordentliches Ereignis» auf dem Festgelände geschehen, dann würden «FFZ-Funktionäre zur Rechenschaft gezogen und juristisch belangt». Man sei nicht mehr in der Lage, die Risiken abzusichern.

«Das Zuger Seefest war für uns eine Herzensangelegenheit», so Jenny. Eine Rettung des Festes ist möglich, wenn eine andere Trägerschaft gefunden wird. «Aktiv auf die Suche gehen wir aber nicht.» Unter einem neuen OK könne sich auch die FFZ vorstellen, weiter beim Fest mitzumachen.

Leistungsgesellschaft und Individualisierung haben Schuld

Bei der Fachstelle für Freiwilligenarbeit Benevol kennt man das Problem des sinkenden Engagements in Vereinen: «Der Mitgliederschwund in Vereinen bewegt uns, das ist seht bedauerlich», sagt Geschäftsleiter Thomas Hauser. Deshalb sei es wichtig, dies immer wieder zu thematisieren und den Mehrwert und die Bedeutung von Freiwilligenarbeit aufzuzeigen.

«Man kann viel von Vereins- oder Freiwilligenarbeit profitieren: Man macht neue Bekanntschaften und Erfahrungen, hat Spass dabei oder kann bei freiwilligem Engagement auch Referenzen für die Arbeitswelt erhalten», sagt Hauser.

Hauser kennt aber auch den Gründe, weshalb die Mitgliederzahlen in vielen Vereinen sinken: «Das Engagement nimmt auch ab wegen der Individualisierung», sagt er. «Bei den Jüngeren spielen auch die steigenden Anforderungen in unserer Leistungsgesellschaft eine Rolle», sagt er. Umso attraktiver seien für viele deshalb auch kurze Helfereinsätze – etwa bei einem Festival.

Das Seefest ist nicht der einzige Anlass, der mit der Helfersuche kämpft: Im Dezember fand in Dagmersellen zum letzten Mal das internationale Radquer statt. Grund: Der Nachwuchs im OK fehlt. Am Dienstag hatte auch das OK des Luzerner Fests bekannt gegeben, 2019 eine Pause einzulegen – unter anderem, weil die Suche nach Freiwilligen schwierig sei. Auch das Blue Balls hat deswegen immer wieder Schwierigkeiten.

Quelle: 20Minuten

26.1.2018

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