Der üble MIGROS-Fake mit Palmöl zu Lasten der Orang Utans

So können Migros-Kunden künftig Palmöl verfolgen

Migros will mittels Blockchain-Technologie die Herkunft von Rohstoffen überprüfen. Auch Konsumenten sollen das künftig tun können.

M-Industrie hat die Blockchain für sich entdeckt: «Wir können damit zum Beispiel die Frage, woher das Palmöl kommt, angehen», sagt M-Industrie-Chef Walter Huber zu 20 Minuten. Wie das genau funktioniert, erklärt er im Interview im Video. Palmöl ist wegen illegaler Regenwaldabholzung, dem damit verbundenen Artensterben der Orang Utans und anderer Lebewesen sowie der Vertreibung indigener Völker in Asien umstritten.

Nicht nur die Migros, sondern auch die Konsumenten sollen im Laden die Herkunft der Ware per Blockchain überprüfen können. «Es soll Codes auf den Produkten geben, die mit dem Smartphone angeklickt werden können», sagt Huber.

So steht es geschrieben auf dem Internet-Portal von 20Minuten.

Was nützt die Blockchain-Technologie den Orang Utans?

Orang Utan Rosa mit Baby im Frankfurter Zoo

Orang Utan Rosa mit Baby im Frankfurter Zoo

ROSA mit Jungtier. Foto Bernd Kammerer. Bild ZVG Zoo Frankfurt

Wir reden viel über Fake-News und vergessen dabei, dass in den so genannten «Leitmedien», zu denen in der Schweiz sicher auch «20Minten» zu zählen ist, verkappte PR-Artikel auftauchen, die durch ihre Augenwischerei den Tatbestand der Fake-News ebenfalls erfüllen. So auch der oberwähnte Artikel über die MIGROS-Blockchain-Technologie, gekennzeichnet durch die Autorin Isabel Strassheim, ihres Zeichens Wirtschaftsredaktorin von 20Minuten.

Mit der neuen Blockchain-Technologie, die so neu auch wieder nicht ist, sollen MIGROS-Kundinnen und Kunden in Zukunft feststellen können, wo genau das Palmöl herkomme. Was daran in Bezug auf Palmöl nachhaltig sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Viel interessanter wäre eigentlich, wenn sich die Herkunft gewisser PR-Artikel in Zukunft lückenlos darstellen liesse. Wie zum Beispiel über den jährlichen Zufluss von MIGROS-Werbegeldern beim TAMEDIA-Verlag.

Dass Frau Strassheim das technologische, mit einigen Nachhaltigkeitsattributen geschmückte Kauderwelsch eines Blockchain-Experten quasi eins zu eins niederschreibt, sei ihr verziehen. So funktioniert PR nun mal. Eine «unabhängige» Expertenmeinung verleiht jedem Artikel das notwendige Quäntchen Seriosität. Das funktioniert immer. Beim unbedarften RTL-Publikum genauso wie bei 20Minuten. Was allerdings beim verwendeten Palmöl in der Luzerner Birnenwegge von der MIGROS nachhaltig sein soll und warum überhaupt in diesem Gebäck Palmöl enthalten sein muss, erschliesst sich mir trotz fabelhafter Expertenmeinung beim besten Willen nicht. Man kann noch so viele Rezepte für die Luzerner Birnenwegge googlen, Palmöl ist als Zusatz nirgendwo aufgeführt. Auch nicht beim Buttergebäck, das die MIGROS ebenfalls und bei vielen Produkten mit Palmöl anreichert.

Doch unverzeihlich ist die Tatsache, dass Frau Strassheim nicht ein einziges Mal mit einer Frage nachhackt. Da darf Herr Huber von M-Industrie zum Beispiel von «illegaler Regenwaldabholzung» faseln, ohne dass ihm eine Gegenfrage gestellt wird. Ja was zum Teufel ist denn für die Orang Utans der Unterschied zwischen legaler und illegaler Abholzung? Glaubt Herr Huber vielleicht, es sei für diese wunderbaren Tiere wichtig zu wissen, ob der Waldbaum, auf dem sie gerade sitzen, legal von der Nestlé, MIGROS und Konsorten oder illegal von einem Einheimischen gefällt wird? Das Thema «Orang Utan» findet mit keinem einzigen Wort statt. Dass die Orang Utans aber mit dem Aussterben ihrer Rasse den höchsten Preis für die Regenwaldabholzung bezahlen, müsste auch einer Wirtschaftsredaktorin bekannt sein. Dass sie nicht nachfragt ist unverzeihlich und entlarvt ihren Artikel als billigsten PR-Bullshit, für den sie sich eigentlich schämen müsste. Ja, hier ist das Wort «Scheisse» für einmal wirklich angebracht.

Dass es auch anders geht, beweist nachstehender Artikel vom Tiergarten Schönbrunn. Ich wünschte mir, die Orang Utans hätten eine Kämpferin wie Greta aus Schweden für ihre Sache, auch wenn das Überleben der «Waldmenschen» in Freiheit damit auch nicht mehr gesichert werden könnte. Ich wage die Behauptung, dass wir in 50 Jahren keine freilebenden Orang Utans mehr erleben werden. Dies schmerzt mich umso mehr, weil diese friedlichen Tiere uns Menschen genetisch so nahe sind. Sie gehören zu unseren nächsten Verwandten. Was wäre aus Ihnen geworden, hätten wir Menschen ihnen die Möglichkeiten der Evolution gegönnt?

Einen wunderschönen Sonntag wünscht Ihnen LUZART MEDIEN

24.2.2019

Ausstellung über Palmöl im Tiergarten Schönbrunn

Palmöl-Ausstellung

Palmöl-Ausstellung

Foto Greenpeace/Mitja Kobal

Für Palmöl in Schokolade, Knabbereien und vielen anderen Produkten werden in Indonesien tausende Hektar Regenwälder zerstört – und Tiere wie Orang-Utans gefährdet. Darauf macht Greenpeace gemeinsam mit dem Tiergarten Schönbrunn in einer neuen Palmöl-Ausstellung direkt neben der Orang-Utan-Anlage aufmerksam.

Infotafeln, interaktive Installationen und ein eindrucksvoller Kurzfilm zeigen die gravierenden Folgen der Palmölproduktion. Mit der Ausstellung rufen der Tiergarten und die Umweltschutzorganisation gemeinsam zum Schutz der bedrohten Menschenaffen auf.

„Die Umweltzerstörung in den Wäldern Indonesiens muss sofort ein Ende haben. Die Palmölproduktion darf nicht auf Kosten der Orang-Utans weitergeführt werden. Schon jetzt verlieren wir jeden Tag rund 25 Orang-Utans”, erklärt Susanne Winter, stellvertretende Geschäftsführerin von Greenpeace in Österreich. Indonesien verfügt nach dem Amazonas in Brasilien und dem Kongobecken in Afrika über die weltweit größten Regenwälder. Hier leben zwölf Prozent aller bekannten Säugetierarten, wie etwa die Orang-Utans. Doch alle drei Orang-Utan-Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig steigt der weltweite Palmölkonsum rasant an: Jedes zweite Produkt, das wir im Supermarkt finden, enthält Palmöl.

Wie sieht eine Palmölplantage aus? Wo ist Palmöl enthalten? Was kann ich selbst tun? Diese und viele weitere spannende Fragen werden in der Ausstellung geklärt. „Der Tiergarten Schönbrunn hat als Artenschutzzentrum die Aufgabe, Bewusstsein für den Schutz dieser bedrohten Menschenaffen zu wecken. Unsere drei Tiere Sol, Mota und Vladimir sind Botschafter für ihre bedrohten Artgenossen im Freiland“, so Dagmar Schratter, Direktorin des Tiergarten Schönbrunn.

Die Konsequenzen der Palmölproduktion sind verheerend: Seit 1990 hat Indonesien ein Viertel seiner Wälder verloren – das sind 31 Millionen Hektar, was fast viermal der Fläche Österreichs entspricht. Greenpeace setzt sich seit Jahren gegen Palmöl aus Regenwaldzerstörung ein und kämpft für den Schutz der Orang-Utans und der indonesischen Regenwälder.

Quelle: Tiergarten Schönbrunn

Foto Greenpeace/Mitja Kobal

24.2.2019

Werbe-Clip wird verboten, weil er «zu politisch» ist (Quelle: BILD)